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Sex am Lac Léman
Ich bin in Genf. Es ist schwül und drückend in der Stadt, ringsherum türmen sich die Gewitterwolken. Ab und
zu erhellt ein Blitz den dunkelroten Abendhimmel, an dessen Horizont die Alpen leuchten. Der See ist ruhig, zu ruhig vielleicht. Die Schiffe eilen
nach Hause, am Lac Léman wird es nachher heiß zugehen. Bei mir auch? Kann schon sein.
Genf ist schön, Genf ist ein Erlebnis, immer wieder. Manchmal glaube ich zu träumen, so herrlich ist es hier.
Switzerland at its best! Eine Stadt voller Leben, voller Leichtigkeit und laisser-vivre, eben eine Welt, in der man sich noch wohl fühlen
kann.
Jetzt fühle ich mich wohl. Sehr wohl sogar. Soeben bin ich abgeholt worden. Vom Hotel am Quai, dort wo ich wohne. "Le
Taxi pour Mademoiselle Karman, s´il-vous-plait!" 'Gigi', denke ich, 'das bist Du, melde Dich gefälligst!' Der Portier guckt mich
ziemlich verdattert an. 'Bei uns wohnt doch kein Fräulein Karman?' Ich fühle richtig, wie er das denkt. Aber er sagt es nicht, er nimmt
es gelassen hin. L'esprit francais, wohltuend in solchen Situationen...! Im Taxi schaue ich mich nochmals um und zwinkere ihm zu. Er zwinkert
zurück, was soll er anderes machen? Er versteht es immer noch nicht, schiebt es wahrscheinlich auf's Wetter.
Der Chauffeur fährt an. Der Wagen schießt nach vorn, ich nach hinten. Dann rasen wir, nein besser fliegen wir,
den See entlang zur "Rèsidence". Wie sagt man auch wieder? Die teuerste Herberge der Schweiz? Diplomatentreff! High-Society,
Adel und Ölprinzen. Alles riecht nach Geld dort; es soll mir nur recht sein, ich habe immer Verwendung.
Und dann gerate ich in einen Wirbelsturm, mittenhinein. Die Gigi, mit hüftlangen blonden Haaren, auf 12 cm hohen Absätzen,
mit Beinen von unendlicher Länge, sieht nur noch unzählige Blicke auf sie gerichtet. Von links, rechts, oben, unten, vorne, hinten...lüsterne
Blicke, da muß man ja pervers werden. Und alle fangen unten bei meinen Beinen an, gleiten nach oben, ich fühle, wie sie mich nackt
ausziehen und sich an mir festsaugen. Bin ich doch zu gewagt angezogen? Mir wird warm unter dem kurzen Marabujäckchen. "Ach was, auf
der Bühne bist Du ja auch nicht so zimperlich". Aber trotzdem, das hätte ich nicht erwartet.
Und da, plötzlich kommt Alexis in die Hotelhalle gerast. Ach, du meine Güte...! Er spritzt auf mich zu, erdrückt
mich fast mit seinen Umarmungen, seine Küsse sind heiß und wild. Und das alles vor diesen Leuten? Mir wird noch heißer. Alexis
gerät in Rage, er ist in seinem Element. Seine Hände wandern unter mein Kleid nach unten, oben, auf die Seite. Ich spüre, wie der
Reißverschluß sich öffnet. Mensch, Alexis wird doch wohl nicht hier...?
Ich fühle, wie sich alles in mir regt. Die grinsende Hotelhalle schwelgt neugierig und lüstern; das wäre
was neues, die Orgie an der Theke. Ich fühle, wie es gedacht wird, gewünscht sogar. Mir ist alles egal. Ein Königreich für
ein Bett, denke ich. Was soll es auch?
Alexis scheint sich zu besinnen; plötzlich sind wir in einem Appartement und ich liege auf einem riesigen runden Bett,
weich und warm. Alexis ist über mir, fingert an mir herum, er hat seine Hände überall. Alles was ich so sorgfältig angezogen
hatte ist in einem einzigen Atemzug verschwunden. Nackt liege ich da. Alexis, halb von Sinnen, steht vor mir. Er keucht.
Ich ziehe meine Beine an, fast automatisch, muß ich gestehen. Alexis kommt näher, küßt mich überall,
seine Zunge treibt mich zur Raserei. Ich vibriere am ganzen Körper, wahrscheinlich stöhne ich auch schon. Ist ja egal!
Dann ist er in mir, ganz zärtlich und weich. Seine warmen Hände fangen an mich zu massieren. Ich fühle, wie
ich mich vor Lust in seine Zunge verbeiße. Ganz langsam kommt es in mir hoch, ich halte es fast nicht mehr aus.
Alexis bebt, er zittert vor Erregung, alles an ihm befaßt sich mit mir, seine Hände, seine Zunge, sein Mannsein,
seine Blicke, einfach alles. Ungeahnte Gefühle steigen in mir hoch, und plötzlich ist sie da, eine wahre Orgie von Lust und Ekstase.
Unbeschreibliches explodiert in mir, unaufhörlich...
Ich kehre wieder in die Wirklichkeit zurück. Alexis liegt ruhig neben mir. Ein Riese, fast zwei Meter groß. Gut,
daß alles so wunderbar proportional ist, denke ich mir. Ist nicht immer der Fall. "Du bist wundervoll", flüstert er, "so
etwas habe ich selten erlebt. Man könnte Dich stundenlang lieben, wie kommt das? Sag es mir!"
Ich schließe die Augen und lasse mich von neuem verführen. Diesmal jedoch von seiner Stimme. Es spricht von sich,
von mir, was ihn bewegt. Daß ich dazugehöre, macht mich glücklich. Ich genieße die weichen, schwingenden Vibrationen seiner
schweren Stimme. Er erzählt mir von Griechenland, von seinen Reisen. Er wird wieder gut zu mir sein, er kennt das Leben... Das macht ihn
noch männlicher, jedenfalls in meinen Augen. Es ist herrlich, bei ihm zu sein. Eine große Ruhe kommt über mich, das Leben kann
sehr schön sein. Ob es immer so bleiben wird?
Copyright by Karman Productions 1973
G. K.
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