Prolog und Epilog


Johanna Kamermans ist die Autorin zweier Sachbücher über die Transsexualitäts-Thematik ("Mythos Geschlechtswandel" (1992) und "Künstliche Geschlechter" (1995)) sowie die Protagonistin im NDR-Dokumentationsfilm "Freier Fall: Johanna K." (1992) von Klaus Wildenhahn - sie weiss somit, wovon sie redet.

In ihrem Bemühen, die von ihr seit Jahrzehnten gemachten Erfahrungen bzw. die daraus gewonnenen Erkenntnisse im sachlich-wissenschaftlichen Sinne zu vertiefen, hat sich alsbald herausgestellt, dass sehr oft mit einer solchen TS-Synthese eine Überforderung betroffener bzw. interessierter Leser verbunden ist. Oft fehlt auch das erforderliche Grundwissen.

Andererseits hat sich aus ihrer 97er Vortragstätigkeit gezeigt, dass ein sehr grosses Interesse für einzelne, spezielle TS-Thematiken aus der Gesamtheit aller gebotenen Informationen besteht - eine populär-wissenschaftliche Darlegung gewisser Fakten vermag - sofern eine gewisse Länge nicht überschritten wird - vor allem die geschichtlichen bzw. biologischen Grundlagen des Ganzen besser zu erhellen.

Aus dieser Perspektive heraus sind die nachfolgenden Vorträge und Abhand-lungen, d.h. "Transsexualität im kulturellen Vergleich" (A), "Alternative Geschlechter in indianischen Kulturen - Integration statt Ausgrenzung" (B), "Mythos Kastration" (C), "Natur und Geschlechtswechsel" (D) sowie "Gene und Meme - Evolution in Natur und Kultur" (E) konzipiert worden - die daraus entstandene "Full House" - Thematiken-Sammlung kann und wird sicherlich dazu beitragen, die Transsexualitäts- und Geschlechtsumwandlungs-Problematik wieder auf den Boden der Tatsachen zu stellen.

In den beiden Konvolut-Abschnitten "Also sprach das Landgericht Berlin....." (F) und "Freier Fall: Johanna K." (G) wird schließlich aufgezeigt, wie die im NDR-Dokumentarfilm "Freier Fall: Johanna K." vom renommierten Filmemacher Klaus Wildenhahn subtil verarbeitete, persönliche Thematik der Autorin, zur medialen, sexuellen Effekthascherei verkommen kann. Aus "Quotengründen" ist heutzutage, speziell bei den Themen Transsexualität bzw. Geschlechtsumwandlung, auch in den öffentlich-rechtlichen Medien jegliche "Feinfühligkeit" abhanden gekommenen - Schlagzeilen und Halbwahrheiten können Inhalte und Erkenntnisse auf Dauer jedoch nicht ersetzen: dafür ist das Ganze eine zutiefst menschliche, uralte Problematik.

Die Autorin ist sich andererseits auch bewusst, dass der "gläserne Mensch" und die heutige (überaus schnellebige) Medienlandschaft offensichtlich nicht mehr voneinander zu trennen sind. Dennoch sollte es ein ständiges (journalistisches) Anliegen bleiben, den dahinter stehenden Menschen "intakt" zu lassen und vor allem seine Persönlichkeitsrechte bzw. seine Menschenwürde zu wahren. Nicht zuletzt Transsexuelle sollten darauf ein nicht zu unterschlagendes Recht (aus welchen Gründen dann auch) haben.....!

Schließlich sei an dieser Stelle noch auf das bereits im Jahre 1997 fertiggestellte "Open House" - Konvolut hingewiesen, in dem eine sehr persönliche, erzählerische Sicht der (transsexuellen) Dinge seitens der Autorin sowie eine wesentlich erweiterte (Internet-)Version des Vortrags (A) mit dem Titel "Transsexualität: Ein kultureller Vergleich" enthalten ist. Die Autorin hat sich mit den vorliegenden Texten erneut "geoutet" bzw. persönlich angreifbar gemacht - mal sehen, wie weit ihre Kontrahenten diesmal gehen werden.


Berlin, Juni 1998