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Betr.: Spiegel 45/2002
Artikel "Ihre Tochter ist ein Sohn" und "Gene sind nur Marionetten" 12.11.2002

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die (männlich-)ärtzliche Hybris den Menschen nach eigenem Gutdünken im geschlechlichen Sinne "umzubauen", ob nun bei Intersexuellen oder bei Transsexuellen praktiziert, ist ein trauriges Kapitel unserer Tage. Eine "Globalisierung" auch der Geschlechter auf der Grundlage eines rigorosen Vorgehens nach dem entweder-oder-Prinzip hat sich in einem solchen Denkprozess der Realitätsverneinung leider allernorts breitgemacht: Varianten werden nicht mehr geduldet: operieren, kastrieren und modellieren beherrschen das ärtzliche aber nichtzuletzt auch gesellschaftliche Denken und nach der "natürlichen" Wirklichkeit wird nicht mehr gefragt.
Das christliche Denken hat versucht die Natur auf den Kopf zu stellen und so langsam dämmert es, dass diese nach ganz anderen Gesetzen aufgebaut ist als bis heute suggeriert wurde. Ja, die geschlechtliche Ausgangsposition ist nicht männlich sondern weiblich und die Variation bei allen diesen "Umbau"-Schritten wird eben von den ("wählerischen") Genen gesteuert - es dürfte jedoch wohl sehr vermessen sein darauf zu hoffen, dass die "Natur des Menschen" sich eines Tages zu wehren anfängt, indem männlichen Wesen die Lust auf ärztliche Selbstverwirklichung durch genetische Eliminierung genommen wird. Vielleicht wäre dann nochmals eine "Französische Revolution" im ärztlichen bzw. gesellschaftlichen Denken möglich: Die Natur wieder anzuerkennen und die Variation der Geschlechter zu belassen. Für die Fortpflanzung werden eben sowieso nur zwei gebraucht und alle anderen Möglichkeiten könnten als gesellschaftliche Bereicherung empfunden werden (und nicht als "Eliminierungs"-Grund!) - dann würde auch eine solche hier geschilderte, grotesk-elterliche "Wie sage ich es meinem Kinde"-Situation gar nicht erst entstehen. Mönchisches "Gläubigkeits"-Denken im Mittelalter und ärtzliche "Umbau"-Hybris von heute - wo ist da der Unterschied? Jedes Volk hat die Ärzte, die es verdient - und da sind wir arm dran in diesem vergangenen und neuen Jahrhundert.

Mit freundlichen Grüssen



Johanna Kamermans
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