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An die Spiegel-Redaktion
Leserbriefe
FAX an 0049/40/3007-2966
Betr.: Spiegel 45/2002
Artikel "Ihre Tochter ist ein Sohn" und "Gene sind nur Marionetten" 12.11.2002
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die (männlich-)ärtzliche Hybris den Menschen nach eigenem Gutdünken im geschlechlichen Sinne "umzubauen", ob nun bei
Intersexuellen oder bei Transsexuellen praktiziert, ist ein trauriges Kapitel unserer Tage. Eine "Globalisierung" auch der Geschlechter
auf der Grundlage eines rigorosen Vorgehens nach dem entweder-oder-Prinzip hat sich in einem solchen Denkprozess der Realitätsverneinung
leider allernorts breitgemacht: Varianten werden nicht mehr geduldet: operieren, kastrieren und modellieren beherrschen das ärtzliche aber
nichtzuletzt auch gesellschaftliche Denken und nach der "natürlichen" Wirklichkeit wird nicht mehr gefragt.
Das christliche Denken hat versucht die Natur auf den Kopf zu stellen und so langsam dämmert es, dass diese nach ganz anderen Gesetzen aufgebaut
ist als bis heute suggeriert wurde. Ja, die geschlechtliche Ausgangsposition ist nicht männlich sondern weiblich und die Variation bei allen
diesen "Umbau"-Schritten wird eben von den ("wählerischen") Genen gesteuert - es dürfte jedoch wohl sehr vermessen
sein darauf zu hoffen, dass die "Natur des Menschen" sich eines Tages zu wehren anfängt, indem männlichen Wesen die Lust auf
ärztliche Selbstverwirklichung durch genetische Eliminierung genommen wird. Vielleicht wäre dann nochmals eine "Französische
Revolution" im ärztlichen bzw. gesellschaftlichen Denken möglich: Die Natur wieder anzuerkennen und die Variation der Geschlechter
zu belassen. Für die Fortpflanzung werden eben sowieso nur zwei gebraucht und alle anderen Möglichkeiten könnten als gesellschaftliche
Bereicherung empfunden werden (und nicht als "Eliminierungs"-Grund!) - dann würde auch eine solche hier geschilderte, grotesk-elterliche
"Wie sage ich es meinem Kinde"-Situation gar nicht erst entstehen. Mönchisches "Gläubigkeits"-Denken im Mittelalter
und ärtzliche "Umbau"-Hybris von heute - wo ist da der Unterschied? Jedes Volk hat die Ärzte, die es verdient - und da sind
wir arm dran in diesem vergangenen und neuen Jahrhundert.
Mit freundlichen Grüssen
Johanna Kamermans
Kasteel Rivierenstraat 6
NL-6222 SM Maastricht
Tel/Fax 043/3636153
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