M Y T H O S   K A S T R A T I O N

Eine Abhandlung über (Ab-) und (Be-)Handlungen

von
Johanna Kamermans, Berlin


"Ein Kastrat heilt alle Wunden", so lautete die Überschrift eines Feuilleton-Artikels in der Berliner Morgenpost vom 1.3.1998 über die Uraufführung der Oper "Farinelli oder die Macht des Gesanges" von Siegfried Matthus in Karlsruhe. Und an weiterer Stelle heißt es im Artikel:

"Farinelli" ist unterhaltend. Das ist das erste Plus. Er ödet nirgends an durch Langatmigkeit, obwohl doch gerade darauf Farinellis Kunst gründete. Der Mann war wahrscheinlich der erfolgreichste Sänger aller Zeiten: ein Kastrat, der es zum Wunderheiler am spanischen Hofe brachte. König Philipp V., dem Melancholiker auf dem Thron, hauchte er tagaus, tagein mit immer den gleichen vier Liedern Überlebensmut ein und sah sich dafür fürstlich belohnt, ausgezeichnet, in den Ministerrang erhoben. Matthus folgt diesem abenteuerlichen Lebensweg in attraktiv vorbeiflitzenden Bildern, zu denen er sich die Texte selber geschrieben hat, beflügelt dabei durch Anregungen von Walter Jens usw."

Warum nun dieses Zitat zu Anfang der Abhandlung - als Einführung in die Materie sozusagen? Die Antwort darauf mag sich eher ernüchternd anhören: weil sich aus Überschrift und Textstellen in unnachahmlicher Art und Weise ablesen läßt, weshalb das Phänomen Kastration noch immer als Faszinosum gehandelt wird bzw. die Phantasie anzuregen vermag - "Ein Kastrat heilt alle Wunden ...". Offenbar steht bei der aufgezeigten Sicht der Dinge das Produkt - als die Kunst der Künstlichkeit - im Vordergrund und nicht der Mensch hinter dieser hehren Fassade: in Farinelli wird nur hineinprojiziert - bereits damals, aber wohl noch mehr heute: es ist ein richtiges "Farinelli-Fieber" konstatierbar - und die tatsächlichen Begebenheiten seines realen Lebens bleiben außen vor bzw. werden nur verklärt angedeutet. Wer will in einem solch überhöhten Zusammenhang der "Macht des Gesanges" schon wissen, was die körperliche bzw. seelische Realität eines solchen Kastrationsvorganges für die betroffenen "castrati" bedeutet hat oder anders gesagt: wie der Mensch dabei manipuliert wird? Keine Chance - es zählt hier - wie beim Doping - nur das Resultat, "die Macht des Gesanges" eben. Oder, wie wir später bei der Geschlechtsumwandlungs-Ideologie sehen werden, die "Macht der Idee".

Mit diesen kritischen Feststellungen sind wir bereits mitten in der Materie, und es dürfte deshalb angebracht sein, für den hier zu behandelnden Kastrationskomplex gewisse Schwerpunktsetzungen vorzunehmen. Hierbei werden wir im vorwiegend geschichtlichen Sinne vorgehen, und zwar in einer losen Reihenfolge nach mythologischen, rituellen, religiösen, gesellschaftlichen, medizinischen und ideellen Gründen: letztere mit speziellem Bezug auf den transsexuellen Sektor. Bezüglich der Herkunft des Wortes Kastration ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, daß sich jenes vom lateinischen "castrere" bzw. "castro" ableiten läßt, und zwar in der dortigen, ursprünglichen Bedeutung von "entmannen, abtrennen, schwächen". Als entsprechende weitere Synonyme gelten die Begriffe Entmannung, Emaskulation und - in früheren Zeiten jedenfalls - Kapaunisierung. Gleichzeitig können wir feststellen, daß es sich bei diesen Wortschöpfungen um solche aus einem patriarchalischen Umfeld handelt - mit einseitigem Bezug auf das männliche Geschlecht, auf die "Männlichkeit" somit. Die Weiblichkeit ist dabei außen vor geblieben: Die Ausweitung des Kastrationsbegriffes auf das weibliche Geschlecht erfolgte erst, als im letzten Jahrhundert die (patriarchalisch organisierte) Medizin sich auf die chirurgische Entfernung von Eierstöcken und Gebärmütter zu spezialisieren begann - von einer entsprechenden "Entfrauung" war jedoch niemals die Rede ..... An späterer Stelle wird auf diese spezielle, hochinteressante Problematik noch weiter eingegangen werden.

Wenn wir uns nun näher mit dem Vorgang der (männlichen) Kastration auseinandersetzen, dann muß noch wieder unterschieden werden zwischen der Entfernung des gesamten Genitalapparats, also Glied und Hoden, und der Entfernung nur der Hoden. Aus den entsprechenden geschichtlichen Quellen ist sehr oft der Begriff Kastration nur im allgemeinen, undifferenzierten bzw. abwertenden Sinne überliefert, da der Vorgang - aus patriarchalischer Sicht - nahezu immer als "unmännlich" gegolten hat - sozusagen als "sine qua non". Erst in späteren Zeiten - als Folge der immer stärker fortschreitenden Entwicklung der Medizin - dürfte es dann, wie im Falle der "castrati", zu einer Differenzierung des Begriffes Kastration gekommen sein. Im "Gesetz über die freiwillige Kastration und andere Behandlungsmethoden" vom 15.8.1969 heißt es in §1 Begriffsbestimmung:

"Kastration im Sinne dieses Gesetzes ist eine gegen die Auswirkungen eines abnormen Geschlechtstriebes gerichtete Behandlung (!), durch welche die Keimdrüsen eines Mannes (!) absichtlich entfernt oder dauernd funktionsunfähig gemacht werden."

Im "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetz - TSG)" vom 10.9.1980 heißt es in §8 Voraussetzungen u.a.:

"3. dauernd fortpflanzungsfähig ist und 4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist".

Obwohl für beide Geschlechter ausgelegt, ist dennoch nur die Rede vom "Antragsteller" in den Paragraphen - eben doch wieder ein eigentlich "männliches" Gesetz, wie jenes aus dem Jahre 1969...

Ebenso müssen wir uns bewußt sein, daß die Vorherrschaft des männlichen Prinzips über das weibliche - so wie wir dies bis heute in der gesellschaftlichen Institutionalisierung des Patriarchats erleben - nicht immer derart ausgeprägt etabliert war. Es gab in den langen, frühgeschichtlichen Zeiten davor durchaus eine Gleichwertigkeit beider Prinzipien ("androgynische Idee des Lebens"), ja sogar davor noch wieder eine Dominanz des weiblichen Prinzips, institutionalisiert in der archaischen Verehrung der Großen Göttin, der Magna Mater, als Urmutter aller Gottheiten, ob nun männlich, weiblich oder beides. Die bisherige Geschichtsschreibung der Menschheit ist jedoch - nicht zuletzt unter Einfluß des Christentums - in einer vorwiegend männlich-patriarchalischen Sicht der Dinge massiv verfälscht worden, und so existieren davon nur größtenteils einseitige Vorstellungen und Erklärungsmuster - erst der amerikanische Feminismus hat entscheidend dazu beigetragen, daß der Blick auf die uralte Menschheitsgeschichte sich allmählich der wahren Realität nähert. Besonders solche feministische Autorinnen wie Camille Paglia (Die Masken der Sex-ualität, 1993) und Barbara G. Walker (Das geheime Wissen der Frauen, 1983/1993) haben maßgeblich - und zwar überaus logisch-argumentativ - aufgezeigt, welche intensiven Anstrengungen das vor allem religiöse Patriarchat im Laufe seiner Entwicklung unternommen hat, um die allgegenwärtigen Spuren des Matriarchats zu tilgen. Denn in jenen vorgeschichtlichen Zeiten waren Natur und Weiblichkeit eins: die Fruchtbarkeit der Frau, deren biologischen Grundlagen damals noch nicht durchschaut wurden, rief Furcht und zugleich heilige Scheu hervor. Die Menschen der Frühzeit spürten intuitiv das Geheimnis des Lebens, das jede Frau ganz selbstverständlich in sich trägt: die Existenz der "Gebärmutter" eben. Und es gibt keinen Hinweis darauf, daß sich in jenen Urzeiten der Menschheitsgeschichte das männliche Geschlecht auch nur entfernt seiner eigenen physischen "Samen"-Rolle im Fortpflanzungsprozeß bewußt war- diese Erkenntnis hat sich erst im Laufe der menschlichen Domestizierung (Ackerbau und Viehzucht) ergeben.

In ihrem Bemühen sich vom "Geheimnis des Lebens" und der (sichtbaren!) Fruchtbarkeit der Frau ein Bild zu machen, gestalteten die Menschen die Grundidee von einem einzigen, weiblichen "Höchsten Wesen", der sogenannten "Großen Göttin" oder "Magna Mater". Sie schuf das Universum mit seinen Gesetzen, und sie gebot über Natur, Schicksal, Zeit, Wahrheit, Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe, Geburt, Tod usw., d.h. eine weibliche Urgestalt, vorerst überaus mächtiger als das (spätere) männliche Pendant. Sie war nicht nur dessen Mutter, sondern auch die Gottheit, die die ganze Schöpfung mit dem kraftvollen "Blut des Lebens" (sprich Menstruationsblut im ursprünglichen Sinne) durchdrang. Und die männlichen Gottheiten konnten nur mächtig werden, indem sie an der Weisheit und der Kraft der Großen Göttin teilhatten bzw. -nahmen, bis sie schließlich die äußerste Hybris, den symbolischen Muttermord begingen, indem sie eine ausschließlich männliche Theologie begründeten - unter den gravierendsten und eklatantesten Umdeutungen natürlicher, menschlicher und geschichtlicher Wahrheiten. Worauf die Heiligtümer der Großen Göttin vor längerer Zeit von den Menschen darauf niedergerissen wurden, so wie es ihnen - im Rahmen des Christentums - besonders die christlichen Evangelien befahlen (Apostel 19, 27):

"Aber es will nicht allein unserm Handel dahin geraten, daß er nichts gelte, sondern auch der Tempel der Großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und wird dazu ihre Majestät untergehen, welcher durch ganz Asien und der Weltkreis Gottesdienst erzeigt."

Die Grundidee lebte aber - im Untergrund sozusagen - weiter und in heutiger Zeit haben Genetik und Molekularbiologie klar aufgezeigt, daß - was die Menschen in ihrer Idee der Großen Göttin damals nur erahnten - die alleinige weibliche Urstruktur Ausgang allen (geschlechtlichen) Werdens ist: "Am Anfang war das Weib", d.h. die Ausformung der ungeheuer komplizierten Prozesse im bisherigen Evolutionsverlauf von Natur und Mensch geht ausschließlich vom weiblichen Ur-Element aus: das männliche Element ist imgrunde nur zusätzlich vorhanden und vom weiblichen abgeleitet. Harte Wahrheiten für das Patriarchat und dem damit einhergehenden, noch immer weitgehend uneinsichtigen, uralten "illusio virilis" - Denkmodell. Es dürfte wirklich an der Zeit sein für ein gesellschaftliches Umdenken, nicht zuletzt bezüglich der offensichtlich allmählich zur Realität gewordenen "Normalität" der Kastrationsvorgänge im Rahmen der in den letzten Jahrzehnten etablierten Geschlechtsumwandlungs-Ideologie ...!

Aber noch sind wir nicht so weit, und wir wollen deshalb zurückkehren zu den bereits zu Anfang der Abhandlung vermerkten mythologischen bzw. rituellen Grundlagen der Kastration. Hierbei möchten wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß es über die genannten jahrtausendelangen Auseinandersetzungen zwischen dem (etablierten) männlichen Prinzip in der Frühgeschichte der Menschheit erst eindeutige Zeugnisse gibt seit etwa 3000 v. Chr., dem Beginn geschichtlicher Aufzeichnungen (sumerische Keilschrifttafeln). Erste Darstellungen der "Ur-Mutter", der "Großen Göttin", der Magna Mater, der Dea Syria wurden allerdings bereits vor ca. 30'000 Jahren gefertigt: die berühmteste ist die "Venus von Willendorf" (Niederösterreich), eine ca. 20'000 Jahre alte Steinfigur mit stark ausgeprägten weiblichen Geschlechtsmerkmalen (Brust und Becken). Und wie bereits ausgeführt, wurde die "Große Göttin" in erster Linie als Erhalterin des Lebens, aber nicht zuletzt auch als Todesgöttin dargestellt. Fruchtbar und furchtbar waren Begriffe, welche die ägyptische Isis, die sumerisch-babylonische Tiamat, die semitische Astarte, die syrische Anath, die griechische Hekate, die römische Diana, die keltische Andrata oder die germanische Freya durchwegs gekennzeichnet haben.

Die uralten Fruchtbarkeitsgöttinnen forderten dabei besonders Blutopfer - nicht zuletzt Menschenopfer vorwiegend männlichen Geschlechts -, denn in jenen Urzeiten der Menschheitsgeschichte galt nur das Blut - und ganz besonders Menstruationsblut - als Medium der Fortpflanzung des Lebens von Sippe oder Stamm ("Blut des Lebens"). Der Historiker Erich Neumann sagt hierzu:

"Tötung, Opfer, Zerstückelung und Blutdarbringung sind magische Instrumente der Fruchtbarkeit."

Auch in den vielen weltweiten Schöpfungsmythen ist diese uralte Blut-Symbolik enthalten, u.a. in der babylonischen Vorstellung der Großen Göttin Ninhursag (Das Gegenstück zur ägyptischen Muttergöttin Hathor), die die Menschen aus Lehm gemacht habe und ihnen ihr "Blut des Lebens" eingeflößt. Auch dem (patri-archalischen) Namen Adam lag diese Art Magie zugrunde: das weibliche "adamah" bedeutet "blutiger Lehm", in späteren Zeiten im euphemistischen Sinne mit "roter Erde" übersetzt. Eine ähnliche, uralte Blut-Symbolik finden wir beispielsweise noch erhalten geblieben im Auslegen des "roten Läufers" für hohe Staatsgäste - lang, lang ist's her....

Zurückkommend auf die eigentliche Thematik dieser Abhandlung, kann somit - im stark vereinfachten Sinne allerdings - gesagt werden, daß für die alten Völker des Orients - in ihrer alles umfassenden Verehrung der "Großen (Mutter-)Göttin"- die vorbeschriebene Blut-Symbolik einen überaus überragenden Stellenwert in ihrem gesellschaftlichen Verständnis von Leben, Tod und Fortpflanzung gespielt hat. Und wie bereits angedeutet, versuchten die Männer an diesem Fruchtbarkeitskomplex der Frauen teilzuhaben und dies ganz besonders über die rituelle Kastration. Die primitive Absicht war dabei zweifellos - im magischen Sinne und in Anlehnung an mythologischen Überlieferungen interpretiert - einen männlichen Körper in einen weiblichen zu verwandeln, indem die (überflüssigen ....) baumelnden Genitalien durch ein blutenden "Loch" (Imitation Menstruationsvorgang) ersetzt wurden. Sämtliche Mythologien legen in der Folge auch den Schluß nahe, daß die Männer, bevor sie ihre reproduktive Rolle verstanden, versucht haben, sich selbst zu "Frauen zu machen", in der Hoffnung dadurch eine Fruchtbarkeit wie die Frauen zu erlangen. Diese Methoden umfaßten - neben der rituellen Kastration - noch die Couvade, also das Nachahmen des Geburtsvorganges, den vorgetäuschten Tod mit der Auferstehung, die Wiedergeburt durch künstliche, "männliche" Mütter sowie die zeremonielle Verwendung roter Flüssigkeiten, um das Menstruationsblut zu imitieren - auch die frühgeschichtliche Existenz des Transvestitismus gehört zu diesem Imitationskomplex der weiblichen Fortpflanzungsmagie: die entsprechenden mythologischen Vorstellungen und Überlieferungen sind legion und in sämtlichen alten Kulturen weltweit anzutreffen.

Wir beschränken uns deshalb auf eine kleine Auswahl derselben, angefangen beim ägyptischen Sonnengott Ra, der sich selbst kastrierte, um das Geschlecht der Ammiu aus seinem Blut hervorzubringen. Der Phallus des hinduistischen "Großen Gottes", Mahadera, wurde von Priesterinnen der Großen Göttin abgeschnitten und in Stücke gehauen. Die Teile kamen in die Erde und brachten eine neue Menschenrasse hervor, die Lingagas (Männer des Lingam oder Phallus). In einer indianischen Variante (Chukchee) errang der Große Rabengott weibliche Geheimnisse der Magie, in dem er das eigene Glied zu Brei zerstampfte und diesen der Göttin Miti (Mutter) zu essen gab. Und in der mexikanischen Mythologie schuf die Erlöser-Gottheit "Quetzalcoatl" - um die Erde nach einer Flutkatastrophe neu zu bevölkern - neue Menschen, im dem er sein Glied abschnitt und das Blut der "Herrin des Schlangenschurzes" zu trinken gab. Die Gestalt dieser Göttin, der zahlreiche abgeschnittene Glieder an der Hüfte hingen, finden wir auch in vielen nahöstlichen Mythologien wieder und zwar als Anath, der Zwillingsschwester der Göttin Mari als Herrscherin über Geburt und Tod, verehrt sowohl in Ägypten, Kanaan, Syrien, Phönikien als auch in Griechenland. Im Tempel zu Jerusalem wurde Anath über Jahrhunderte - neben dem Gott EI - in der Gestalt der Himmelskönigin Aschera (verbunden mit der Tempelprostitution der weibmännlichen "Kedeshim"-Priester) verehrt. In den Ugarit-Texten (1929 im syrischen Ras Schamra gefundenen Keilschrifttafeln mit Bezug auf die dort gelegenen, antiken Hauptstadt Kanaans, Ugarit) werden u.a. die damaligen, primitiven Opferriten für die Göttin Anath beschrieben, wobei dieselbe durch das Blut von Männern befruchtet wird und nicht durch deren Samen. Denn die kultische Verehrung der Anath geht bis in die Jungsteinzeit zurück, als eine Vaterschaft noch unbekannt war und - wie wir inzwischen wissen - Blut als die einzige Substanz galt, die Leben übertragen konnte. In den mythischen Überlieferungen heißt es u.a. (in freier Übersetzung):

"Gewalttätig zerschmettert sie und weidet sich daran, Anath tötet sie und starrt sie an - ihr Sinn jubelt in Freude, denn sie taucht ihre Knie in das Blut der Soldaten, ihre Lenden in den Lebenssaft der Krieger, bis ihr das Schlachten in dem Haus, das Zerhacken auf den Tischen genügt".

Und wie bei der bereits beschriebenen mexikanischen "Herrin des Schlangengewandes", die aus dem Genitalblut Quetzalcoatls neues Leben wieder erschuf, hing auch Anath die abgeschnittenen Glieder ihrer Blutopfer an ihre Ziegenfellschürze, der Aigis.

Als die Göttin nach Griechenland kam, wurde sie zur Muttergöttin Athene, mit der Aigis (Ägäisches Meer!) jetzt als Brustschild aus Ziegenfell, verziert mit Orakelschlangen - die Athener verehrten sie als heilige Jungfrau, Athene Parthenia im Parthenon, ihrem noch heute bestaunten "Jungfrauentempel". Gleichzeitig sind wir mit diesen Überlieferungen jedoch auch im Labyrinth der griechischen Mythologie angekommen, wo die jahrtausendelangen Auseinandersetzungen zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip dargestellt worden sind und zwar in einer unglaublichen Vielfalt und Gestaltungsdichte - besonders auch bezüglich des ewigwährenden "Mythos Kastration". Denn es gibt überaus viele Kastrationsmythen in den griechischen und römischen Götterwelten - diesmal jedoch im Sinne eines Raubes der Genitalien als Symbol der sieghaften Männlichkeit: man (Mann!) war sich seiner (Samen-)Rolle in der Reproduktion bewußt geworden. Denken wir nur an den Mythos der Uranos-Entmannung durch seinen Sohn Kronos, festgehalten in der Theogenie des antiken griechischen Chronisten Hesiod. Danach kastrierte Kronos, Sohn des Himmels und der Erde, seinen Vater Uranos mit einem Messer und schleuderte seine Hoden ins Meer. Sie trieben im aufgewühlten Schaum ihres eigenen Samens davon und daraus wurde Aphrodite geboren, die Göttin der sexuellen Liebe (Aphrodites Sohn Eros wurde zum Gott der emotionalen Liebe). Später entstand aus ihrer Verbindung mit dem androgynen Gott Hermes die berühmte zweigeschlechtliche Gottheit Hermaphroditos sowie aus ihrer Verbindung mit dem Gott Dionysos die Gottheit Priapos, dessen männlich-körperliche Merkmale unbestreitbar waren und sich in permanenter Erektion befanden - sozusagen als die Personifizierung des abgeschnittenen Glieds (Phallus-Kult der Antike). Auch Aphrodites Geliebter Adonis (griechische Version des semitischen Adonai bzw. des kanaanitischen Tammuz) wurde kastriert - derart wurde die "Jungfrau" Aphrodite ("Himmlische Aphrodite") zur Herrscherin der frühen griechischen Mythologien kastrierter Götter. Ebenfalls hinein paßt die Kastration des ältesten Sohnes des Uranos durch gleichfalls Kronos - im römischen Pantheon ist noch die Kastration des Saturn durch Jupiter erwähnenswert. Ebenso die Tatsache, daß Blindheit und abgeschnittene Haare als mythologische Metaphern der Entmannung gelten. Die Schreiber der Bibel nannten den Penis "eine geschrumpfte Sehne", die "auf einer Höhlung des Oberschenkels liegt": Das war die "Sehne", die Jakob im Kampf mit "einem Mann, der Gott war", einbüßte (Seth-Mythos ägyptischen Ursprungs).

Zurückkommend auf die in der Bronzezeit über Jahrtausende entstandenen Fruchtbarkeitskulturen um die Große Göttin, darf auch der im sumerischen Kleinasien, in Phrygien rund um Hierapolis angesiedelten Kult um Kybele, die Große Göttermutter vom Berg Ida (Magna Mater Deum Idae) nicht unerwähnt bleiben. Das damit zusammenhängende Fruchtbarkeitsbrauchtum, vergleichbar mit dem griechischen Artemis-Kult, verbreitete sich - besonders nach der triumphalen Verbringung der Kybele von Phrygien nach Rom im Jahre 204 v. Chr. - im gesamten römischen Weltreich jener Tage, nicht zuletzt durch das ungezügelte Zutun verschiedener bizarrer Kaiser wie Nero, Caligula und Caracella. Caesars Nachfolger Augustus baute seinen Palast ihrem Tempel auf dem Vatikanhügel - dort wo sich heute der Petersdom befindet - gegenüber und betrachtete seine Gattin, die Kaiserin Livia Augusta, als irdische Inkarnation der Kybele. Spätere Kaiser wie Heliogabal und Caligula wollten die Gestalt der Großen Göttin dann selber darstellen.

Der Kult selber geriet vor allem durch die in Frauenkleidern auftretenden, kastrierten Weibmann-Priester, Galli genannt, zu einem riesigen religiösen Spektakel und nicht zuletzt beim Frühlingsfest geriet auch das Volk außer Rand und Band. Es wurden ekstatische Zeremonien bis zum Exzeß durch- bzw. aufgeführt. Dabei wurde die Kastration mit wahrer Inbrunst betrieben, und die Priester - und mit ihnen viele Gefolgsleute - entmannten sich dabei selber, warfen ihre Genitalien auf den Umzügen in die Häuser, deren Besitzer sie daraufhin mit weiblicher Kleidung ausstatten mußten. Dieser Kastrationsmythos wurde auf den entmannten Hohepriester der Großen Göttin Kybele, Attis genannt, zurückgeführt, der wegen seiner Untreue zur Strafe "impotent" gemacht werden sollte. Der Attis-Kult begleitete den Kybele-Kult, und beide haben das frühe Christentum stark beeinflußt. Die Kirchenväter waren da jedoch ganz anderer Meinung, und der Heilige Augustinus (354-430 n. Chr.) nannte Kybele in seinem Standardwerk "Vom Gottesstaat" sogar eine "Hurenmutter", "die Mutter nicht der Götter, sondern der Dämonen". Den Römern selbst war lange Zeit nur die syrische Ursprungsform - und diese eher als Kuriosität - bekannt, ähnlich dem Erscheinungsbild der Hare Krishna-Jünger mit ihren bunten Gewändern im heutigen Straßenbild. Als der Kult sich jedoch über das gesamte römische Reich ausbreitete, änderte sich auch in Rom seine Ausgestaltung, speziell bezogen auf die Kastrationszeremonien. Wurden die Kastrationen bei lärmender, ekstatischer Musik und Gesang anfänglich mit dem Zeremonienschwert in einem gezielten Schnitt durchgeführt, so wurden in späteren Zeiten die Techniken mit scharfkantigen Klemmen, zur alleinigen Entfernung von Hoden und Hodensack ausgeführt. Diese Prozeduren verliefen immer sehr blutig, vor allem wenn auch das Glied mitentfernt wurde. Oft traten tödliche Infekte der nun erheblich verkürzten Harnröhre auf bzw. war - wie von den kastrierten Eunuchen-Priestern überliefert - eine dauernde Blasenschwäche die Folge. Nicht unerwähnt bleiben darf auch der Umstand des damals üblichen Sklavensystems, woraus - speziell im mediterranen Raum - viele Ideen und Praktiken der Entmannung entstanden: vor allem Besiegte und Gefangenen, Tote wie Lebendige, wurden ihrer Genitalien als Symbol der sieghaften Männlichkeit beraubt. Aber auch in späterer Zeit war das Entmannen von Kriegsgefangenen (bis in dieses Jahrhundert hinein), von Sklaven, Sträflingen, Bergarbeitern, Dienern (speziell die alleinstehender Damen bzw. Kurtisanen), Sängern, Lustknaben, hohen Beamten, Lehrern und Erziehern üblicher Brauch und Sitte - der rituelle Aspekt wich immer mehr dem "praktischen". War das Blut der Kastration früher das Symbol der (männlichen) "Fruchtbarkeit", so wurde es im patriarchalischen Verständnis jetzt zur Besiegelung der (männlichen) Unfruchtbarkeit - andere Zeiten, andere Sitten.....

Zurückkommend auf den Attis-Kult sei nochmals vermerkt, daß derselbe das frühe Christentum überaus stark beeinflußt hat - es geht dies vor allem aus der übereinstimmenden Symbolik hervor. Hierbei nahmen die Römer Attis vor allem an, weil sie Kybele als nationale Göttin ansahen und dabei eine Tradition aus der Frühzeit Roms aufrechterhielten. In diesem Verständnis war Attis ein Sohn der irdischen Inkarnation der Großen Göttin, der Jungfrau Nana, die ihn auf dem Wege der Parthenogenese (Jungfrauengeburt) empfangen hatten - als sie einen Granatapfel aß. Er war ein typischer "Gott ohne Vater", der Sohn der Jungfrau, und wuchs auf, um Opfer und Retter zu werden, getötet für das "Heil der Menschheit": seine Körperlichkeit wurde von den ihn Anbetenden in Form von Brot gegessen. Er wurde von den Toten erweckt als "der Höchste Gott, der das Universum zusammenhält" und sein Erscheinen mit den Worten "Heil, Bräutigam, Heil, neues Licht" angekündigt. Und, wie vorher beschrieben seine Priester (man nannte sie "Herren, die halbe Frauen waren"), wurde auch er kastriert und an einer Pinie gekreuzigt, "damit sein (heiliges) Blut niederfloß, um die Erde zu erlösen" - also wieder die gleiche Blut-Symbolik aus den frühen Zeiten der Menschheit.

Die Passion (Leidensgeschichte) des Attis wurde am 25. März gefeiert, genau neun Monate vor der Sonnenwendfeier am 25. Dezember: der Zeitpunkt seines Todes war gleichzeitig der Zeitpunkt seiner Empfängnis bzw. Wieder-Empfängnis. Um den Moment zu markieren, an dem Attis in seine Mutter eintrat, um seine Wiedergeburt zu zeugen, wurde sein Baum-Phallus in die geheiligte Höhle getragen. Der Tag von Attis´ Tod war der Schwarze Freitag oder der Tag des Blutes - sein Bild wurde zum Tempel gebracht und an den Phallusbaum gebunden, begleitet von den "Schilfträgern" (kannophori) mit Schilfzeptern, die wiederhergestellte Phalli und damit neue Fruchtbarkeit symbolisierten. Während der alljährlich zurückkehrenden Zeremonien kastrierten sich die Eingeweihten, in Nachahmung des kastrierten Gottes, selbst und zeigten ihre abgeschnittenen Genitalien der Göttin, gemeinsam mit den denen des gleichfalls kastrierten Stieres, der im Ritual des Tauroboliums geopfert worden war. Das Taurobolium war im Kybele-Kult der Höhepunkt ihrer Verehrung: die Taufe mit dem Blut eines heiligen Stieres, der ihren sterbenden Gott und Geliebten Attis repräsentierte. Demnach war die Mutter von Attis, die jungfräuliche Nana, in Wirklichkeit die Große Göttin selbst - so wie Ianna bei den Sumerern, Mari-Ana bei den Kanaanitern oder Nanna, die Mutter des sterbenden Gottes Baldur im Norden Europas usw. - die Mythologien wiederholen sich weltweit.

Während der Passion wurden all jene vorerwähnten männlichen Relikte in die heilige Höhle der Großen Mutter, im Tempel der Kybele und Attis, gebracht. Damit starb die Gottheit Attis, wurde beerdigt und stieg dann - immer im Verständnis seiner Anhänger - in die Unterwelt hinab, um am dritten Tag von den Toten wiederaufzustehen. Seinen Anbetern wurde gesagt:

"Der Gott ist errettet, und auch ihr werdet von euren Mühen erlöst werden".

Dieser Tag der Auferstehung war ein regelrechter Karnevalstag, Hilaria oder Tag der Freuden genannt - die Menschen tanzten in den Straßen, verkleideten sich, alberten herum und vergnügten sich mit flüchtigen Liebesabenteuern - wie auch heute noch bei den weltweiten Karnevalsveranstaltungen. Die Christen begingen auch später noch den Ostersonntag mit einem Karnevalsumzug, der sich nachgewissenermassen aus dem Mysterienkult des Attis herleitete: wie Christus entstand somit Attis, wenn "die Sonne zum ersten Mal den Tag länger macht als die Nacht", als Sonnengott somit. Daß das Abschneiden der Krawatte der Männer am heutigenWeiberfastnacht auf die vorbeschriebene Kastration-Symbolik zurückzuführen ist, dürften sich jedoch die wenigsten Menschen realisieren....! Diese Stellvertretungs-Symbolik findet sein Äquivalent auch in der Sorge bereits der biblischen Patriarchen um die Verwundbarkeit des Penis, und diese vermieden deshalb jede direkte Erwähnung, um nicht böse Geister auf ihn zu ziehen: Das Alte Testament verrät eine besondere Furcht vor der Macht der Frauen über den Penis. Gottes Gebot befahl, sogar einer Frau, die die Genitalien eines Mannes ergriff, die Hand abzuhacken, selbst wenn sie es täte, um ihren Mann gegen einen Feind zu verteidigen. (Deuteronomium 25, 11-12)

Wir haben hier bezüglich des Attis-Kults derart weit ausgeholt, um aufzuzeigen, wie sehr das frühe Christentum auf die alten Mysterienkulte der Antike Bezug genommen hat - wie bereits vorgängig erwähnt, fand in den späteren Zeiten des Christentums - und zwar vorwiegend von den Evangelisten ausgehend - eine Umschreibung, ja Verfälschung aller dieser jahrtausendealten, mystischen Grundlagen statt. Gerade in heutiger Zeit ist die Natur-Kultur-Diskussion im religiös-geschichtlichen Sinne wieder aufgeflammt, und es melden sich viele Dissidenten zu Wort - denken wir in deutschen Gefilden beispielsweise nur an Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein mit seinem frühen Werk "Jesus Menschensohn" (1972) sowie die kirchlichen Kritiker Eugen Drewermann, Jutta Heinemann und Hans König. Die bereits erwähnte amerikanische Feministin Camille Paglia sagt zu dieser Thematik:

"Das Buch der Genesis ist eine männliche Unabhängigkeitserklärung von den uralten Mutterkulturen. Am Anfang war nicht das Wort, sondern die Natur (d.h. das Weib). Deren unermeßlicher und unergründlicher Charakter wurde nicht von einem "Männer"-Gott verkörpert, sondern durch die Fruchtbarkeit einer "Großen Mutter".

Es dürfte deshalb nicht verwundern, daß es eines der am besten gehüteten Geheimnisse der frühen Christenheit war - mittels einer Aufforderung an den speziellen inneren Kreis der Eingeweihten - sich selbst zu entmannen, um durch diesen Beweis der Keuschheit größere Gnade zu erlangen. So heißt es im biblischen Kontext (Matthäus 19, 22):

"Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig..... manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es" (Hierzu auch Kolosserbrief 3,5 und Jesaia 56,3).

Einer der dies erfasste, war der berühmte Kirchenvater Origenes von Alexandrien (185-245 n. Chr.), der das Problem der vom Christentum gepredigten Enthaltsamkeit ein für allemal durch Selbstkastration löste und damit nicht nur seinem Sexualleben ein Ende setzt, sondern, aufgrund einer orthodoxen biblischen Einstellung zu Männern mit verletzten Genitalien (wg. jüdischen Beschneidungspraktiken), auch jeder Möglichkeit einer späteren Heiligsprechung. Und in der Apologie (Rechtfertigung) des christlichen Philosophen Justinus (100-165 n. Chr.), bekannt durch seine Synthese von griechischer Philosophie und frühem Christentum, ist mehrmals festgehalten, daß die römischen Ärzte von gläubigen, christlichen Männern belagert wurden, die nach der Operation verlangten. Der lateinische Kirchenschriftsteller Tertullian (160-220 n. Chr.) riet dazu, Christenknaben vor der Pubertät zu entmannen, damit ihre "Tugend" dauerhaft geschützt sei ("castrati" - Thematik später). Interessant in diesem Zusammenhang dürfte der Umstand sein, daß im gleichen geschichtlichen Zeitraum Roms (Zeitalter des "Cäsarenwahns") Kaiser Nero den entmannten Sklaven Sporum heiratete. Und vom Kaiser Heliogabal (218-222 n. Chr.) wurde berichtet, daß er eine Autokastration (Selbstkastrierung) versucht hat und - wie etliche Kaiser vor bzw. nach ihm - befahl, daß ihm der Respekt einer Kaiserin (sprich Große Mutter) zuteil werden sollte. Auch sein Nachfolger Caligula trat als Venus in Frauenkleidern und mit goldenem Bart öffentlich auf und zelebrierte zügellose, speziell gleichgeschlechtliche Exzesse. Die römischen Kaiser des 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. sodann hatten oft als Minister, Erzieher und auch Wissenschaftler kastrierte Männer, die gelegentlich so mächtig wurden, daß sie ihre Herren stürzen konnten: so war beispielsweise Narses, der Feldherr Kaiser Justinians (der von der Sodom- und-Gomorrha-Mythe!) ein Eunuch. Und unter den Perserkönigen des 5. bis 3. Jahrhunderts v. Chr. soll sich - so die Überlieferung - kaum einer finden lassen, der nicht von einem Eunuchen umgebracht worden ist. Freuds Oedipus-Komplex läßt grüßen!

Wir wollen schließlich noch darauf hinweisen, daß in jenen antiken Zeiten auch vielerlei unblutige Kastrationstechniken angewendet wurden, so beispielsweise die Hoden mittels Schierlingsgift, Hyazinthenzwiebeln oder Fledermausblut zu vertrocknen bzw. auch - speziell in römischen Zeiten - das mechanische Zerquetschen der Hoden männlicher Säuglinge (nach einem heißen Bad) zwischen den Fingern. Ein Ausbund an Grausamkeit hinsichtlich des Kastrationsvorganges in antiken Zeiten ist sodann überliefert von den alten Ägyptern, welche Tausende von Knaben, meist Kinder Kriegsgefangener oder armer Leute, von koptischen Mönchen (!) haben kastrieren lassen. In einem Bericht über die Tortur heißt es:

"Der Operateur bindet mit feinen festen Wollfäden die Geschlechtsteile ab und schneidet unter der Ligatur durch. Die Blutung wird mit Asche, siedendem Öl, rotglühendem Eisen gestillt. Dann wird in die Röhre eine grobe Metallsonde eingeführt, die durch einen Gürtel gehalten wird, und die Opfer werden bis zum Nabel in den heißen Nilsand eingegraben, worin sie 5-6 Tage bleiben. Die eiternde Wunde braucht bis zu ihrer Heilung mehrere Monate. Sehr häufig tritt dauernde Inkontinenz ein. Nach 3 Monaten wurden die Operierten verkauft."

So grausam wurde der Kastrationsvorgang also auch ausgeführt - die Manipulation der Ware Mensch für irgendwelche Zwecke ist im Mythos Kastration offenbar mehr als grenzenlos.

Diesbezüglich wollen wir an dieser Stelle noch auf das indische Phänomen der über ein Million "Hijras" aufmerksam machen: eine Kaste von "Frauen, die keine sind", wie der Volksmund sagt. Die meisten von ihnen wurden als Kinder bzw. junge Männer innerhalb der community gewaltsam kastriert - als Erbe eines archaischen Fruchtbarkeitsbrauchtums, das sich in die heutige Zeit hinübergerettet hat. Die "Hijras" sind im körperlichen Sinne Eunuchen und werden gleichzeitig verachtet und wegen ihrer angeblich magischen Kräften gefürchtet. Sie gehen hauptsächlich der Prostitution nach und treten auf Hochzeiten mit Musik und Gesang auf - um die Götter der Fruchtbarkeit milde zu stimmen. Die archaische "Hijras"-Thematik ist in den westlichen Medien neuerdings auf unerwartet großes Interesse gestoßen (es gibt u.a. einen TV-Dokumentarfilm mit Selbstkastrierungsszenen!) - eine wegweisende, für europäische Begriffe sensationell zu nennende Reportage über die Hiyras erschien im Jahre 1983 im deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (41/1983). Diese traditionelle Wochenzeitschrift hat sehr viel über die Transsexualitäts-Problematik publiziert - die bekannte TS-Rechtsanwältin Maria Sabine Augstein war bis Ende der 70er Jahre der (erstgeborene) Sohn des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augustein.

Zurückkommend auf die christliche Sicht des Kastrationsvorganges in den darauf folgenden Jahrhunderten des "dunklen Mittelalters", sei noch die Vergeistigung desselben durch den berühmten Mönch und Schriftgelehrten Pierre Abélard (1079-1142 n. Chr.), der vom Onkel seines Geliebten Heloise gewaltsam entmannt wurde, erwähnt. Es heißt in einem Brief an Heloise, zwölf Jahre danach

"Denke daran, daß es Gottes Gnade für uns war .... die Weisheit, durch die er das Böse selbst benutzte und von unserer Gottlosigkeit (Geschlechtsverkehr!) gnädig absah, so daß er durch eine vollkommen gerechtfertigte Wunde in einem einzigen Teil meines Körpers zwei Seelen (!) heilen konnte .... Als mich daher die göttliche Gnade von jenen schändlichen Gliedern eher reinigte (!) als beraubte, die wegen ihrer Unanständigkeit die "Schamteile" genannt werden und keinen eigenen Namen besitzen, was tat sie daher anderes als eine schmutzige Unvollkommenheit entfernen (!), um vollkommene Reinheit zu bewahren? Stimme ein in meine Danksagung, Du, die sowohl in der Schuld als auch in der Gnade zu meiner Partnerin wurdest."

Die christliche Gehirnwäsche der Sexualität als Sünde ist hier - jedenfalls in jenen "dunklen" Zeiten - mehr als offensichtlich.

Aber auch in den späteren Zeiten der Renaissance und der Aufklärung blieb hinsichtlich des Kastrationsvorganges im kirchlichen Verständnis die Bigotterie aufrechterhalten - frei nach dem auch in anderen christlichen Gefilden üblichen Grundsatz: "Der Zweck heiligt die Mittel". Denn obwohl im besagten Mittelalter die "Sünde" überall vermutet wurde (die Strafkataloge der damaligen kirchlichen Bußbücher legen ein beredtes Zeugnis ab...), durfte sie dennoch nicht sichtbar werden, vor allem nicht in den Klöstern und Kirchen. Mönche und Nonnen durften nicht zusammenkommen und einen Blick aufeinander werfen: sie wurden bei Prozessionen sogar durch aufgehängte Tücher von- einander getrennt und in den Kirchen durften die Nonnen nicht singen (um die Klosterbrüder nicht vom Gebet abzulenken....). Deswegen wurde auch die Sitte eingeführt, kastrierte Knaben als Sänger bei kirchlichen Veranstaltungen einzusetzen - die Geburtsstunde der zahllosen "castrati", welche in den darauf folgenden Jahrhunderten - jedoch speziell im 18. Jahrhundert des Barocks - zu den Superstars der Opernbühnen Europas wurden. Der Volksmund allerdings sprach verächtlich von Kapaunen.

Zu dieser Thematik erschien im Spiegel 50/1990 ein überaus interessanter Beitrag mit dem bezeichnenden Titel "Scheinheiliger Kunst-Griff". Darin heißt es:

Jahrhundertelang waren Kastraten die Stars der europäischen Kultur. Tausende von Knaben ließen sich für die Musik verstümmeln.
Wenn der 'Engel von Rom' seine Stimme erhob, wurden die Zuhörer in 'seliges Entzücken' versetzt, und das ausgerechnet in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Urheber der Befriedigung war ein gewisser Alessandro Moreschi. Der Engelhafte hatte nur einen winzigen Makel: Er war Kastrat. Der letzte - zugleich der einzige, von dem Aufnahmen erhalten sind. Sie entstanden 1902 und 1904 im Vatikan. Eine dem einst berühmten Hochtöner gewidmete CD ist jetzt auf dem Markt.
Als Moreschi, zuletzt Leiter des päpstlichen Chores in der Sixtina, 1922 63jährig starb, ging eine zweischneidige Epoche der Musikgeschichte zu Ende, ein finsteres Kapitel, in dem die katholische Kirche ungestraft ihre messerscharf kalkulierte Doppelmoral praktizieren durfte.
Denn immer wieder hatten Päpste seit 1587 zwar die Kastration mit Exkommunikation oder Todesstrafe belegt, gleichzeitig aber mit Wonne die Entmannten für ihre Chöre oder als Solisten engagiert.
Schuld an der Doppelstrategie hatte kein anderer als der Apostel Paulus, nach dessen biblischem Verdikt die Frauen in der Kirche zu schweigen hatten.
Die katholische Kirche, seit der Erfindung der unbefleckten Empfängnis mit besonderer Vorliebe allem Keuschem zugetan, wollte sich den Wohlklang engelsgleicher, geschlechtsloser, dabei aber tragfähiger Stimmen nicht entgehen lassen. Kurzerhand griff man auf eine seit der Spätantike geübte Praxis zurück: Das in klerikalen Ohren zu tief tönende Übel wurde bei der Wurzel gepackt.
Noch vor der Pubertät büßten sangesstarke Knaben in schmerzhafter, dilettantisch ausgeübter Prozedur ihre Keimdrüsen ein, und die Hodenlosen, durch keinen Hormon-Stoß je in den Stimmbruch getrieben, behielten auf Lebenszeit ihre kindliche Sopran- oder Altstimme. Alles zum 'Lobe Gottes', wie Papst Clemens VIII 1592 den barbarischen Eingriff in bewährter Scheinheiligkeit sanktionierte.

Die außermusikalischen Nebenwirkungen des einschneidenden Tuns waren enorm: geringe Körper-, aber besonders starke Kopfbehaarung, durch Hypertropie der Brustdrüsen ungewöhnliche Ausdehnung der Brustdrüsen, deutliche Neigung zu Verfettung, unnatürlich starkes Wachstum der Extremitäten und schließlich in den meisten Fällen Impotenz.
Der New Yorker Musikkritiker Harold C. Schonberg faßt den artistischen Effekt der bilateralen Orchiektomie, wie der entmannende Kunstgriff medizinisch heißt, nüchtern zusammen: 'Die Kastraten hatten Stimmen wie Frauen und Lungen wie Männer.'
Doch nicht nur im Kirchenchor war das Leid-Motiv der Verstümmelten zu vernehmen, der römische Klerus hatte auch in der Oper radikal für frauenlose Verhältnisse gesorgt: 'Keine Weibsperson bei hoher Strafe darf Musik aus Vorsatz lernen, um sich als Sängerin gebrauchen zu lassen', hatte Papst Clemens IX. noch Anfang des 18. Jahrhunderts kompromißlos verfügt.
So schrieben denn die Meister der italienischen Barockoper munter für die 'Evirati' (die Entmannten) glamouröse Bravour-Arien. Mit mächtigen Lungenflügeln und knabenhaft kleinem Kehlkopf schwangen sich die Spitzenkräfte zu Koloraturen auf, bei denen manche ihrer weiblichen Nachfolger heute ins Trudeln kommen.
Minutenlage kunstvolle Verzierungen, welche die Männer ohne Unterleib ihren ohnehin schweren Partien eigenmächtig zufügten, vermochten das verwöhnte Publikum noch weiter zu begeistern. Die größten Kastraten-Koryphäen Senesino, Farinelli oder Cafferelli waren denn auch zickig wie Diven und die hochbezahlten Gesangsstars ihrer Epoche.
Die Gagen und das unbestrittene Prestige der Hochtöner setzte einen regelrechten Knabenhandel in Gang. Denn viele Eltern konnten der vatikanischen Versuchung nicht widerstehen und verkauften ihre Söhne an Kastraten-Konservatorien.
In diesen Stimmen-Fabriken wurden den kastrierten Jungs in einem mindestens siebenjährigen Studium mit soldatischer Disziplin die rechten, die hohen Töne eingedrillt.
Doch war dieser Leidensweg nur im Ausnahmefall erfolgreich. Experten schätzen, daß von den Tausenden von Knaben, die im 16. Und 17. Jahrhundert alljährlich in Italien kastriert wurden, mehr als 60 Prozent an den Folgen der mit primitivsten Instrumenten ausgeführten Operation starben. Wenn sie den heiklen Eingriff überlebten, wurden viele taub, blind oder gelähmt: Die heftig blutenden Wunden wurden nicht etwa desinfiziert, sondern ausgebrannt oder mit Asche bestreut.
Ein weiteres Viertel der Castrati erfüllte nicht die hohen Ansprüche der Opernhäuser oder kirchlichen Musikmeister. Ihnen blieb dann nur übrig, für ein paar Pfennige durch Tavernen zu tingeln.

Nur ein Zehntel der Geschundenen war gut genug, um in die renommierten Ensembles als Choristen aufgenommen zu werden. Ganze fünf von hundert Entmannten schafften den Durchbruch zur effeminierten Elite.
Ihnen huldigte die melomane Menge bisweilen mit dem enthusiastischen Schlacht-Ruf: 'Evviva il coltello!' (Es lebe das Messer!) Doch den wahren Todesstoß versetzten den verschnittenen Primadonnen schließlich die Komponisten.
Opernreformern wie Gluck und Mozart, die beide noch für Kastraten geschrieben hatten, waren die Schemen der Barockoper inzwischen zu saft- und kraftlos geworden. Zu sehr folgten die Libretti antikisierenden, formelhaften Vorgaben. Die Musik war längst Selbstzweck geworden, die Sänger waren Selbstdarsteller.
In italienischen Kirchenkreisen hielten sich die singenden Vertreter des Ancien régime weitaus länger. Zwar hatte Napoleon, seit 1805 selbsternannter König Italiens, auch in seinem neuen Reich die Entmannung bei Todesstrafe verboten, doch wurde erst mit dem Ende des römischen Kirchenstaates 1870 auch in der klerikalen Enklave das Skalpell endgültig beiseite gelegt.
Alessandro Moreschi, den letzten der fürs Gotteslob Geopferten, hatte sein Schicksal da schon ereilt.
In seinen letzten Lebensjahren pilgerten Musikliebhaber aus der ganzen Welt in die Sixtinische Kapelle, um das letzte Exemplar seiner Art zu bestaunen. Ganz so, als habe sich hier ein Tyrannosaurus Rex über die Zeit erhalten und künde mit hoher, brüchiger Stimme vom Erdmittelalter der Musik."

Wie bereits zu Anfang dieser Abhandlung vermerkt, ist vor allem die Vita der berühmteste aller "castrati" - Heldensoprane Farinelli (1705-1782), bürgerlich Carlo Maria Michelangelo Nicola Broschi, sowohl vor als nach seinem Tod zum regelrechten Faszinosum geworden - mit Opern, Theaterstücken, Biographien und Romanen in jeder Menge. Ein sehr gutes Buch diesbezüglich ist das Sachbuch "Engel wider Willen - die Welt der Kastraten" (1993) von Hubert Ortkemper, während die holländische Autorin Margriet de Moor, mit ihrem Roman "Der Virtuose" (1994) über den Belcanto-Kastraten Gasparo, das heutige, kulturelle Interesse maßgeblich angefacht hat. Aber auch die modernen (deutschen) Countertenöre wie Jochen Kowalski bzw. Altisten wie Axel Köhler haben viel zum derzeitigen Farinelli-Fieber beigetragen.

Obwohl somit die "castrati" Operation (nur der Hoden also) jahrhundertelang tausendfach ausgeführt wurde, sind bis heute darüber nahezu keine Beschreibungen überliefert wurden - auch hier wieder ein überaus männlich-patriarchalisches Verdrängungssyndrom. In einem 1707 erschienenen "Traité des Eunuques - Abhandlung über die Eunuchen" schreibt der französische Autor Ancillon:

"Der Knabe wurde mit Opium oder anderen Narkotika betäubt und einige Zeit in ein sehr heißes Bad gesetzt, bis er in einem Stadium ziemlicher Gefühllosigkeit war. Dann wurden die Kanäle, die zu den Hoden führen, durchgeschnitten, so daß die Hoden im Laufe der Zeit schrumpften und verschwanden".

Und in der 1841 in Leipzig erschienenen "Encyklopädie der gesamten Medizin" heisst es unter dem Stichwort Castration:
"Entmannung, Ausrottung (sic!) der Hoden. Es soll hier nicht von der in Italien zur Erhaltung der Sopranstimme ehemals mehr als jetzt gebräuchlichen, das Menschengefühl verletzenden Entmannung die Rede sein, sondern von derjenigen Operation, welche zur Erreichung eines Heilzweckes in der Hinwegnahme eines oder beider Hoden besteht. Die große Wichtigkeit dieser Organe in geschlechtlicher Beziehung und in Beziehung zum übrigen Organismus und selbst zum Seelenleben, macht ihre Entfernung auf operativem Weg immer zu einer der bedeutendsten und folgenreichsten Operationen. Sie ist höchst schmerzhaft und hat bisweilen gefährliche Nervenzufälle zur Folge, die durch eine aufmerksame Nachbehandlung aber sehr vermindert werden. Die durch die Operation gesetzte Verwundung ist auch an und für sich nicht so bedeutend, daß sie gefürchtet werden könnte, und die mit ihr verbundene Blutung aus den verletzten Gefäßen kann zwar sehr bedeutend und gefährlich werden, ist aber meistens von der Art, daß sie durch geeignete Mittel zum Stillstand gebracht wird usw."

Wir sehen hier bereits die medizinische Indikation durchkommen, welche nicht zuletzt auch bei den für Männer geschlechtsspezifischen Tumorerkrankungen, wie dem Hoden- und dem Prostatakarzinom, den entscheidenden Aspekt darstellt. Während das Hodenkarzinom das männliche Geschlecht im jugendlichen Alter treffen kann (u.a. besonders beim intersexuellen Phänomen der Testikulären Feminisierung bzw. des Hodenhochstands) ist das Prostatakarzinom (Krebs der Vorsteherdrüse) ganz vorwiegend eine Erkrankung im letzten Lebensabschnitt des Mannes. In der Folge ist für Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren das Hodenkarzinom die häufigste Krebstodesursache, während das Prostatakarzinom (im generellen Sinne die zweithäuftigste Krebsart nach dem Lungenkarzinom) ab dem sechzigsten Lebensjahr zur häufigsten Krebsursache geworden ist. Beim Hodenkarzinom wird durch die Entfernung der erkrankten Hoden sowie über ein intensive, mehrmonatige Chemotherapie eine hohe Heilungsrate (bis zu 95%) möglich. Für den Prostatakrebs ist dagegen vor allem das Stadium der Erkrankung von ausschlaggebender Bedeutung: der Tumor darf die Kapsel der befallenen Vorsteherdrüse noch nicht durchbrochen und dadurch eine Metastasierung hervorgerufen haben. Die dann erforderliche Hormontherapie zwecks Ausschaltung der männlichen Hormone (mittels Östrogenen und Antiandrogenen) führt damit zu einer sogenannten chemischen Kastration (mit erheblichem Potenzverlust verbunden). Wichtig für diese Art der medizinischen Indikation dürfte allerdings immer der Umstand bleiben, daß hier offenbar erkrankte Organe entfernt bzw. stillgelegt werden. Antiandrogene, speziell Androcur, werden heute auch besonders im sexualstrafrechtlichen Sinne eingesetzt. Der bekannte Sexualwissenschaftlicher Prof. Volkmar Sigusch sagt hierzu:

"Cyproteronacetat (Wirkstoff-Bezeichnung) ist eine medizinische Waffe schwersten Kalibers" sowie "Kastration und psychochirurgischer Hirneingriff sind demgegenüber inhumane Torturen(!), die operativ die Integrität der Person irreversibel verletzen" (Sexualmedizin 1/1979).

Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Mythos Kastration lebt in der Folge hauptsächlich von der Tatsache, daß intakte Geschlechtsorgane entfernt bzw. stillgelegt werden - wie wir das bereits bei den beschriebenen rituellen und religiösen Kastrationsvorgängen gesehen haben. Es sollte deshalb nochmals darauf hingewiesen werden, daß in früheren Zeiten, speziell im Mittelalter, die Entmannung nicht nur als Bestrafung bei Vergewaltigung, Homosexualität, Pädophilie, Sodomie und Ehebruch angewandt wurde, sondern vor allem auch gegen Lepra, Gicht, Hautkrankheiten, Epilepsie und Tobsucht. Angeblich soll bereits der antike Arzt Hippokrates ("hippokratischer Eid" der heutigen Ärzteschaft) angeregt haben, die Gicht durch Kastration zu kurieren.

Zurückkommend auf die Kastrationsvorgänge im 18. und 19. Jahrhundert sei noch verwiesen auf die Entmannungen aus religiösen Gründen, welche besonders von der im Jahre 1775 gegründeten russisch-rumänischen Sekte der Skopzen bekannt geworden sind. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ließ die russische Regierung sogar eine spezielle Studie erstellen (Pelikan, 1876), weil die Sekte sich in bedrohlicher Weise über das Land ausbreitete. Es handelte sich dabei um eine Wiederbelebung der rituell-religiösen Kastration durch fanatische Anhänger der vorgenannten Skopzen-Sekte (sie nannten sich selber Skoptsi, "Kastrierte", aber auch "Volk Gottes"), wobei diese der Meinung waren, daß die Entfernung ihrer Genitalien ihnen weitreichende spirituelle Kräfte verleihen würde. Der "verrückte Mönch" Rasputin, Berater der Zarenfamilie, war Mitglied der Skopzen-Sekte, und da Rasputin wegen seiner Frauengeschichten vor allem Furore machte, wollten nur wenige Zeitgenossen glauben, daß er ein Eunuch war. Die Macht Rasputins über seine weiblichen Anhängerinnen und die Zarenfamilie war jedenfalls - wie bei Farinelli - eine seltsame Mischung aus spiritueller und sinnlicher Besessenheit. Es sei diesbezüglich abschließend noch festgehalten, daß die Skopzen, jedenfalls bis ins 20. Jahrhundert hinein, massenhaft das "kleine heilige Siegel" (Entfernung der Hoden) und noch mehr das "große heilige Siegel" (Entfernung von Hoden und Penis) praktizierten. Heute leben in Rußland die sogenannten "geistlichen" Skopzen, die nur noch strenge Askese fordern, ähnlich der Mönchssekte auf dem griechischen Berg Athos. Ein interessanter, heutiger Aspekt hinsichtlich des Kastrationsvorganges aus religiösen Gründen hat sich übrigens gezeigt, als im Jahre 1997 am Osterhimmel der Komet Hale-Bopp erschien. In Kalifornien folgten dem Sektenchef Marshall Applewhite auf seiner Reise zu einem "Höheren Ort" - angeblich in einem UFO am Schweif des Kometen - 21 Frauen und 17 Männer in den Tod: sie machten Selbstmord mit dem starken Betäubungsmittel Phenobarbital. Bei der anschließenden (irdischen!) Obduktion wurde festgestellt, daß Applewhite und die meisten Männer der Sekte kastriert waren. Sie "verließen lächelnd ihre Container", wie sie ihre Körper nannten, um "mit einem UFO eine intergalaktische Reise zum Himmelstor" anzutreten...!

Es dürfte jetzt an der Zeit sein, darauf hinzuweisen, daß - neben der vorgängig geschilderten Kastrations-Phänomene des Mannes - es auch für die weibliche Geschlechtlichkeit uralte Vorstellungen, von der Antike bis heute, speziell der Gebärmutter gegeben hat. Diese galt als Wanderorgan, das ruhelos im Körper umherziehen würde oder gar als Lebewesen, das gefüttert und beschwichtigt werden mußte - sozusagen als "Quelle von tausend Übeln" und die Phantasie der Menschen, besonders der Männer, schon immer beschäftigend. Im "finsteren Zeitalter der Operationsfurore", dem späten 19. Jahrhundert, hielten die Ärzte Operationen an Gebärmutter und Eierstöcken sogar für eine geeignete Therapie zur "Heilung" der "weiblichen Hysterie". Aber auch zur Bekämpfung von "Melancholie, Liederlichkeit oder manischen Erregungen" wurde von den vorerst männlichen Frauenärzten eine Kastration durch Entfernung der Eierstöcke und/oder der Gebärmutter, bzw. deren operativer Verlagerung, herbeigeführt. Hierbei kamen jahrhundertealte Mythen und Vorurteile über den Charakter der Gebärmutter zutage, die bei der späteren Entwicklung der modernen Gynäkologie immer mitschwangen, sozusagen als "Ausgeburt" des "siegreichen" männlichen Prinzips.
Bereits der vorerwähnte, altgriechische Arzt Hippokrates nannte die Gebärmutter "hystera" und sah die Hysterie als einen Seelenzustand, den man (Mann!) ausschließlich Frauen zuschrieb und auf ihren Uterus zurückführte. Auch der griechische Philosoph Platon entwarf in seinem Werk "Timaios" eine Hysterie-Theorie, nach welcher Frau-Sein eine Strafe der Götter sei. Diejenigen Männer, die

"furchtsam waren und ihr Leben unrichtig verbrachten, wurden bei der zweiten Entstehung in Weiber' umgestaltet."

Sie besaßen daraufhin eine Gebärmutter, ein

"Lebewesen mit der innewohnenden Begierde nach Gebären eines Kindes",

so schrieb er. Und weiter

"Wenn nun in der Blüte ihres Lebens lange Zeit vergeht, ohne daß sie eine Frucht bringen, so führt dies zu einem Zustand schwer zu ertragender Unzufriedenheit, er (der Uterus!) zieht überall im ganzen Körper umher, versperrt die Durchgänge der Luft und läßt keine Luft aufnehmen. Dieser Zustand führt die Weiber in die äußerste Ausweglosigkeit und mannigfache Krankheiten"

(damit meinte er Herzschmerzen, Angstzustände, Kopfschmerzen, Schwinden der Sinne oder auch Krämpfe). Für die alten Griechen war Frau-Sein somit sozusagen Strafe (der Götter) und Schicksal, nicht zuletzt nach den jetzt entstandenen männlich-patriarchalische Vorstellungen der Fortpflanzung. Denn bereits der Samen allein, so wurde damals verkündet (u.a. vom Philosophen Aristoteles), trage schon das fix und fertig angelegte, winzige Kind in sich, das bei der Zeugung lediglich in die Gebärmutter "abgelegt" werde. Die Gebärmutter war (wieder nach Hippokrates) das Organ der "Einbildung", da er das Bild des Mannes empfangen würde, und wenn unpassende Bilder in die Gebärmutter hineingerieten, konnte es zu hysterischen "Einbildungs"-Leiden kommen.....

In großen Teilen der europäischen Volkskultur blieb - wie in der griechischen Auffassung des "Wesen im Wesen" - die tabuisierte Gebärmutter lange lebendig - nicht nur als Teil eines Körpers, sondern als eigenständiges, "lebendiges" Geschöpf, das (nur) vom Körper der Frau beherbergt wurde. Und es gab ausgeklügelte Vorschriften zur Fütterung oder Beschwichtigung dieses "Tieres", wenn es im erregten Zustand Koliken oder Anfälle hervorrief. Hinzu kam die sprichwörtliche (männliche) Abscheu hinsichtlich des Menstruationsbluts - dieses jetzt nicht mehr als Zeichen der Fruchtbarkeit, sondern als besonders schreckliches Produkt jener ominösen Gebärmutter, teils mit jahrtausendealten Tabus behaftet. So waren bereits im Alten Testament genaue Regeln aufgeführt, wie sich menstruierende Frauen - meistens bei der Zubereitung von Speisen - zu verhalten hatten. Auch bei vielen Naturvölkern gelten ähnliche Verhaltensvorschriften mit teilweise völligem Ausschluß aus dem gesellschaftlichen Leben.

Noch schlimmer wurde es im Mittelalter, als - nach der Lehre der (ausgeuferten) Theologie - die körperlich-seelische Minderwertigkeit und Schwäche der Frau noch mit der moralischen Minderwertigkeit ergänzt wurde. Die Kirche lehrte hierbei: Weil Eva den Mann vom Pfad der Tugend abgebracht hatte, mußte sie dafür mit Geburtsschmerz und Menstruation büßen. Hierzu sei vermerkt, daß es in der gesamten Geschichte des Christentums immer Kirchenväter bzw. Strömungen gegeben hat, welche den Mißbrauch von Frauen verteidigten und ihre Abscheu gegenüber der weiblichen Sexualität zum Ausdruck brachten, ja sogar die Überzeugung äußerten, daß alle Frauen für die Ur-Sünde, die Tod und Verdammnis über die Menschheit brachte, Bestrafung verdienten. Der Apostel Paulus sah Eva, als das Urbild aller Frauen, sogar als die allein Schuldige an (1. Timotheus 2,14). Als darauf in der Zeit der Hexenverfolgung ("Hexenhammer", 1484) dieses "Schuld-Prinzip" seinen perversen Höhepunkt erreichte und Millionen von Frauen - darunter viele Hebammen und "weise Frauen" - auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, geriet das alte (weibliche) Heilwissen in Vergessenheit. Dies nicht zuletzt als nach den gewaltigen religiösen und sozialen Umwälzungen der europäischen Renaissance, im Laufe des 17. Jahrhunderts - im Zeitalter der Aufklärung - das eigentliche Geheimnis der Fortpflanzung, d.h. die Verschmelzung von Samen- und Eizelle, über die Erfindung des Mikroskops (u.a. durch den Holländer Anthonie von Leeuwenhoeck) entdeckt wurde.

Das weibliche (neue!) Ei und der Eierstock standen fortan im Mittelpunkt des (männlichen) Interesses und verdrängten allmählich die Gebärmutter aus seiner zentralen Stellung. Noch im Jahre 1848 verkündete der berühmte Berliner Pathologe Rudolf Virchow: "Das Weib ist eben Weib durch seine Generationsdrüse" (!) und die Menstruation wurde zur krankhaften Erscheinung, d.h. die Gebärmutter funktionierte nach diesen neuen (männlichen) Vorstellungen nur in der Schwangerschaft und in der Stillzeit "normal".

Nachdem die Operationen an Eierstöcken (noch lange - im Rahmen des Homologie-Modells der Geschlechter - als "weibliche testiculi" bezeichnet) und Gebärmutter technisch beherrschbar geworden waren, weiteten sich ihre Anwendungsgebiete rasch aus. Die (chirurgische) Entfernung der Eierstöcke und diverse Eingriffe zur Verlagerung oder Befestigung der Gebärmutter im Bauchraum wurden bald als Allheilmittel gegen zahlreiche, vor allem nervöse Leiden gepriesen. Dazu gehörte auch die (weibliche) Hysterie, an der ein enormes, gesellschaftliches Interesse aufgekommen war (wohl wg. "Suffragetten" - Frauenbewegung): Nur das unreife, unentwickelte Nervensystem der Frau - so hieß es jedenfalls aus männlicher Sicht - würde zu hysterischen Reaktionen neigen. Der Arzt und Wissenschaftler Emil Kraeplin (1856-1926) beschrieb Hysterikerinnen als "gleichgültig gegen fremdes Leid, rücksichtslos gegen ihre Umgebung" und als "Virtuosen des Egoismus, die nicht selten in unglaublicher Weise ihre Umgebung tyrannisieren und ausbeuten". So manche Frau, die zu jenen Zeiten gegen die überaus beengenden Rollenvorschriften der großbürgerlichen Gesellschaft - es war das puritanische "viktorianische Zeitalter" - rebellierte, mag auf diese Weise für "krank" erklärt worden sein - TS-Analogien sind unverkennbar.

Es dürfte deshalb nicht verwundern, daß in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Millionen von "hysterischen" Frauen ohne viel Federlesens kastriert wurden - der hippokratische Eid wurde geradezu ins Gegenteil verkehrt. Besonders der französische Arzt und Gynäkologe Charcot war für die Entfernung gesunder Eierstöcke, zwecks Behandlung hysterischer Symptome, berüchtigt. Aber auch in den USA uferte die Entwicklung aus, nicht zuletzt bezüglich vieler Insassinnen von Irrenanstalten - noch 1906 klagte der amerikanische Arzt Ely van de Warker über die vielen Ärzte, die die Eierstockentfernung als "Operation von der Stange" praktizierten:

"Einige dieser Ärzte haben sich, als der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht hatte, öffentlich damit gebrüstet, daß sie in ihren Praxen bis zu zweitausend Eierstöcke entfernt hatten".
Doch auch er hatte mit dieser Kritik nicht unbedingt das Wohl der Frauen im Auge, sondern ihre "Pflicht zum Gebären":

"Die Eierstöcke einer Frau gehören dem Volke - sie - hat sie lediglich in Treuhandschaft. Ohne sie ist ihr Leben nutzlos".

Wir sehen: "Lebensborn"-Ideologie, "Mein Bauch gehört mir" - Kampfparole und ewig §218 - Diskussion - alles nichts Neues unter der Sonne!

In den heutigen Blickpunkt der Aufmerksamkeit geraten - wir leben im Medienzeitalter - sind neuerdings auch die jahrtausendalten Rituale der Beschneidung junger Mädchen in vorwiegend islamischen Ländern. Nach Schätzung der UNO werden jährlich in über 28 Staaten auf dieser Welt mehr als zwei Millionen Frauen beschnitten, speziell in West- und Ostafrika, im Sudan und in Ägypten. Viele Frauen werden bei diesen teilweise barbarischen Ritualen nicht nur verstümmelt, sondern auch unfruchtbar bzw. sterben an den Folgen. Oft kommt es zu schweren Blutungen, Wundstarrkrampf und - vielfach als Spätfolgen - Blasen- und Niereninfektionen. Die Beschneidungsvorgänge umfassen dabei normalerweise die Amputation der Klitoris sowie der kleinen und großen Schamlippen - bei der sogenannten pharaonischen Beschneidung (auch Infibulation genannt) geht die Verstümmelung, oft durch Laien ausgeführt, jedoch noch bedeutend weiter: Von den äußeren Genitalien bleibt praktisch nichts übrig. Nach der Ausschneidung der Klitoris und der kleinen Schamlippen bzw. die Entfernung der inneren Schichten der großen Schamlippen werden die verbleibenden äußeren Ränder der großen Schamlippen so zusammengenäht (u.a. mit Akaziendornen), daß nur eine wenige Millimeter große Öffnung verbleibt. Die Macht dieser Jahrtausend alten patriarchalischen Traditionen fusst auf teilweise wirren Vorstellungen der weiblichen Sexualität, nicht zuletzt seitens der Clans der alten "weisen Frauen" und der Hebammen. Einer unbeschnittenen Frau, mit intakten Genitalien somit, wird in diesem gesellschaftlichen Verständnis unersättliche sexuelle Gier nachgesagt, die unweigerlich zur Prostitution führe. In Westafrika glauben viele Menschen, daß die Klitoris die Männer impotent mache, giftig sei und sogar einen Mann töten könne. In vielen ländlichen Gebieten speziell Ägyptens und des Sudans ist man/frau davon überzeugt, die weiblichen Genitalien müßten auch deshalb entfernt werden, damit sie der Frau nicht später zwischen den Beinen baumeln würden.
Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch auf das Wirken des Wiener Psychiaters Sigmund Freud (1856-1939) hingewiesen, welcher für die Entwicklung der Sexualwissenschaft bzw. der Psychotherapie dieses Jahrhunderts entscheidende Weichenstellungen eingeleitet hat. Zum innersten Kern der Freudschen Lehre gehören die 1905 erschienenen "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie", in welchen er das sogenannte "Ödipale Dreieck" und damit zusammenhängend die Theorien des Oedipus-Komplexes bzw. der Kastrationsängste kleiner Jungen bzw. des Penisneids kleiner Mädchen entwickelt hatte. In diesem Verständnis der sexuellen Entwicklung des Kindes sieht Freud für das männliche Geschlecht nun - im Rahmen der von ihm so benannten "phallischen Phase" - die nachfolgende Konstellation: Mit 3-4 Jahren verlagert sich das Interesse vom Anus ("anale Phase") auf die Genitalien, und der kleine Junge entdeckt seinen Penis - und daß Mädchen keinen haben. Dieses (homosexuelle) Interesse am eigenen Glied schwingt jedoch im Normalfall wieder in die heterosexuelle Richtung zurück, um sich auf den wichtigsten Nicht-Penis-Besitzer in seinem Leben, nämlich die Mutter, zu konzentrieren. Nun allerdings muß sich der Knabe mit der vorgenannten Freudschen Schöpfung des Oedipus-Komplexes herumschlagen. Dieser bezieht sich auf den tragischen Helden der griechischen Mythologie, der seinen Vater tötete, unwissentlich seine eigene Mutter heiratete und diesen Irrtum später bitter bereute. Und ganz analog realisiert der Knabe
- spätestens in der Pubertät -, daß an seiner Zuneigung für die Mutter etwas falsch ist - er kann seiner sexuellen Begierden wegen des "Inzest-Tabus" nicht freien Lauf lassen. Gleichzeitig kommt die Kastrationsangst hinzu, d.h. die Angst vor dem (phallischen) Vater, der als Rivale in der Gunst der Mutter gesehen wird - er fürchtet (weil er in seinen weiblichen Spielgefährten kastrierte Jungen sieht .....) vom als übermächtig empfundenen (heterosexuellen) Vaters gleichfalls kastriert zu werden. Es bleibt - immer nach Freud - nur ein sicherer Ausweg: Er beginnt, Männer zu lieben. Denn letzteres Verhalten (also keine Veranlagung!) verletzt weder das Inzest-Tabu, noch muß er weiterhin Kastration befürchten, da sein Vater (als heterosexueller Mann) jetzt auch kein Rivale mehr ist. Hierbei meinte Freud, daß alle Menschen - da von Natur aus bisexuell veranlagt - mehr oder weniger latent homosexuell seien. Bei vielen (männlichen !) Menschen ruht das Begehren tief im Unbewußten, bei anderen dienen Träume als Ventile oder auch der Alkohol als Auslöser homosexueller Praktiken (siehe "Entfernung der Tatwerkzeuge" als TSG-Begründung im letzten Abschnitt dieser Abhandlung) bzw. die Empfindung von Homosexualität als eine Bedrohung, da starke Ablehnung (Homophobie !) immer als Zeichen eines unbewußt starken Verlangens zu sehen ist. (TS-Komponente unübersehbar) usw., usw.. Der Mann steht bei Freud im Mittelpunkt, um ihn dreht sich alles.

Die Bewertung der für die damalige Zeit revolutionären Freudschen Gedankengebäude in heutiger Zeit ist überaus kontrovers: die Kritik daran hat jedenfalls massiv zugenommen. Dies nicht zuletzt, da Freud die Homosexualität als etwas im Grunde Krankhaftes (eine Art Perversion) einordnet und - ganz im Stile eines

"sexistischen Wiener Chauvinisten des 19. Jahrhunderts" (Zitat) - in Frauen "neidische", "verstümmelte" Wesen sieht, die "einer anatomischen Tragödie" anheimgefallen sind, mit der Klitoris als einem "minderwertigen Organ", mit einem Genital, das einer "Narbe" gleicht und "beim Weibe tiefe Minderwertigkeitsgefühle weckt" (alle Zitate Originalton Freud!).

Ebenso halten viele Kritiker Freuds Denken - nicht zuletzt aus wissenschaftlichen Gründen - für einen aussergewöhnlich erfolgreichen Mythos auf dem Niveau von Pseudowissenschaften wie Astrologie oder Wunderheilung (besonders wg. seiner Libido-Theorie). Das Ganze würde im Rahmen dieser Abhandlung jedoch zu weit führen - Analogien zwischen Freudschem Denken und islamischen Beschneidungsdogmen sind jedoch festzuhalten. Vor allem der britische Philosoph Karl Popper hält Freuds Ansätze für grundsätzlich nicht falsifizierbar und damit für unwissenschaftlich, denn wirkliche Wissenschaft zeichnet sich - Popper zufolge - gerade durch das Kriterium der Widerlegbarkeit aus: die jeweils zugrunde liegende Theorie müsse erlauben aus ihr testbare Hypothesen abzuleiten, die gegebenfalls widerlegt werden können. Dies treffe insbesondere für die von Freud installierten psychosexuellen "Entwicklungsmechanismen" der (männlichen) Kastrationsangst bzw. des (weiblichen) Penisneids zu. Von den inzwischen feststehenden genetischen Aspekten der (männlichen) Homosexualität ganz zu schweigen - es waren zu Anfang der neunziger Jahre vor allem die amerikanischen Wissenschaftler Simon LeVay, Robert Gorsky und Dean Hamer welche die biologischen Grundlagen der (männlichen) Homosexualität zum Durchbruch brachten: sozusagen eine neue Revolution in der Sexualwissenschaft inszenieten.

Mit den vorgehenden Ausführungen kommen wir nun zu sprechen auf die zu Anfang dieser Abhandlung vermerkten (westlich-)ideellen Kastrationsgründe im Rahmen der in diesem Jahrhundert aufgekommenen, inzwischen fest verankerten Geschlechtsumwandlungs-Ideologie der (angeblichen) Auswechselbarkeit beider Geschlechter. Hier hatte das Ganze angefangen mit den intensiven Geschlechtswandelvorkommnissen rund um das Wirken des Berliner Arztes und Sexualforschers Magnus Hirschfeld (1868-1935), der der Mitbegründer der ersten deutschen, öffentlichen Homosexuellenbewegung (Gründung des Wissenschaftlich humanitären Komitees (WhK) im Jahre 1897) und verschiedener sexualwissenschaftlicher Organisationen war. Hirschfeld eröffnete 1919 das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft und prägte die (deutsche) Sexualforschung jener Zeit überaus entscheidend. Nicht zuletzt ist er jedoch bekannt geworden durch die detaillierte Ausarbeitung seiner sogenannten Zwischenstufen-Theorie - auf seine Maxime "Der Mensch ist nicht Mann oder Frau sondern Mann ùnd Frau" basierend und für jene martialischen "Gründerjahre" überaus revolutionär. Eine Aussage jedoch, welche sich durch die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Genetik und der Molekularbiologie mehr als bestätigt hat - auch wenn das Patriarchat sich auch heute noch immer mehr oder weniger erfolgreich (Freud-Einfluss!) dagegen wehrt. Denn, wie vorgehend ausführlich dargelegt, war den Menschen in den vorchristlichen Zeiten diese Erkenntnis bereits geläufig: "Am Anfang war das Weib" - die Ur-Weiblichkeit als die Ausgangslage allen (geschlechtlichen) Werdens, d.h. Adam entstand aus Eva und nicht Eva aus Adam!

Wie gesagt, hatte Hirschfeld dieses natürliche "Gesetz des Lebens" bereits damals - vor hundert Jahren also - als richtig erkannt und dieses in seiner 2000 Seiten umfassenden sexualwissenschaftlichen Abhandlung der "Geschlechtskunde" verarbeitet. Denn in diesem einmaligen Standardwerk verschwanden die Homosexuellen in der Vielzahl der Zwischenstufen, die sich - der besseren Übersicht halber - in vier Hauptgruppen einteilen ließen und zwar in die Zwischenstufen der Geschlechtsorgane (Hermaphroditismus), der gegengeschlechtlichen, sekundären Geschlechtsmerkmale (Androgyn-Status), des Geschlechtstriebes (Homosexualität) und der sonstigen, abweichenden seelischen Eigenschaften (Transvestitismus). In diesem Hirschfeldschen Verständnis bildeten jene vier Hauptgruppen die biologisch begründeten "Zwischenstufen" zwischen "Vollmann" und "Vollweib". Weiter hatte er dabei - auf Druck des maskulinen Berliner Homosexuellen-Flügels (u.a. Bund der Eigenen) die Gruppe der "Umkleidungstäter" von den Homosexuellen gelöst und für sie die Bezeichnung "Transvestiten" vorgeschlagen - im Jahre 1923 benutzte er dann erstmals den Begriff "Transsexualismus", allerdings in Verbindung mit Transvestitismus als dessen extremster Form. Die (sexual-)wissenschaftliche Ausarbeitung dieses aufsehenerregenden, geschlechtlichen Phänomens fand dann 1966 in den USA durch den mit Hirschfeld befreundeten, amerikanischen Sexualforscher Harry Benjamin in seinem Standardwerk des Transsexualismus "The transsexual phenomenon" statt: die Geburtsstunde der USA-Geschlechtsumwandlungs-Euphorie in den sechziger und siebziger Jahren hatte geschlagen.

Zu Anfang der zwanziger Jahre wurden die im Hirschfeldschen Sinne als "extreme Transvestiten" bezeichneten Personen zunächst auf eigenen Wunsch und unter Belehrung der Folgen einseitig bzw. zweiseitig kastriert - geübt in derartigen Eingriffen waren die Chirurgen bereits durch Genitaloperationen an (männlichen) Verletzten des Ersten Weltkrieges (wie wir beim Phänomen der (weiblichen) Hysterie gesehen haben, war man (Mann!) bei (weiblichen) "Kranken" wesentlich weniger glimpflich). Der damalige Kapazität auf dem Gebiet der Genitalchirurgie, Richard Mühsam, berichtete 1926 über einen von Hirschfeld an ihn überwiesenen Patienten, an dem ein erster Versuch einer plastischen Operation durchgeführt wurde: dies nachdem der "Transvestit" zuerst 1920 kastriert und dann 1921 ein (hysterisches?) Ovarium eingepflanzt worden war - der Anfang der ersten "Menschenversuche" der Geschlechtumwandlungs-Apologeten....! Denn zu Anfang tat man (Mann!) sich doch recht schwer bei der chirurgischen Ausarbeitung der transsexuellen Idee.

Im Jahre 1931 fand dann in Dresden die allererste "richtige" Geschlechtsumwandlung des dänischen Dichters Einar Wegener zu Lili Elbe (wg. Dresden) statt. Im gleichen Jahr erschien ihre Biographie "Ein Mensch wechselt sein Geschlecht: eine Lebensbeichte", ein Jahr später war sie tot. Nachdem dann im Jahre 1952 die breit vermarktete Geschlechtsumwandlung der (gleichfalls) Dänin Christine Jörgensen, vormals der GI George Jörgensen, Furore gemacht hatte (Harry Benjamin war maßgeblich beteiligt), bemächtigte sich die ärztliche Kunst des Geschlechtswandels: sie verhalf den Betroffenen zu chirurgischen und hormonellen Möglichkeiten, die bis dahin nicht für möglich gehalten worden waren - "künstliche Geschlechter", gleichwertig mit natürlichen.....! Die darauf in den USA einsetzende, sprunghafte Entwicklung der transsexuellen Idee nach der schrankenlosen "anything goes"-Devise führte zu einer überaus florierenden ärztlichen Umwandlungsindustrie - aus Männern wurden (wieder) Frauen gemacht, wie einst in antiken Zeiten. Diesmal wurde jedoch nicht nur kastriert, sondern auch über eine mehr oder weniger tiefe Scheide (sogenannte "Neovagina") mit Klitorisandeutung, der weibliche Genitalapparat "nachgebaut", jedenfalls das was man (Mann!) davon erwartete.... Denn es ist kein Geheimnis, daß in jenen Jahren viele "umgebaute" Männer anschließend als nunmehr "weibliche" Prostituierte arbeiteten: es wurde operiert nach dem simplen Motto: "Hauptsache die Kasse stimmt!" Jan Morris sorgte dann mit ihrem schönfärberischen Biographie-Report "Conundrum" (1974) für das Aufkommen der marokkanischen Stadt Casablanca als transsexuelles Pilger-Dorado zum fleißigen (arabischen) Transsexer-Chirurgen Charles Burou. Auch die Popsängerin Amanda Lear (1978 mit dem Popsong "Follow me") sorgte für großes mediales Aufsehen - der "american dream" in der "Welt der unbegrenzten (Geschlechtswandel-)Möglichkeiten" schien endlich wahr zu werden und der Kastrationsvorgang (für beide Geschlechter) nun auch vor allem im ethisch-ideellen Sinne legitimiert. Ärzte maßten sich an "Gott zu spielen", und wie im Falle der "castrati" heiligte auch hier der (ärztliche) Zweck die Mittel: das (uralte) Phänomen des transsexuellen (gegengeschlechtlichen) Empfindens wurde kurzerhand zur "Krankheit" erklärt. Künftig bekam die "Im falschen Körper"-Suggestion die Oberhand (geht zurück auf Karl-Heinrich Ulrichs Metapher für die (männliche) Homosexualität im Sinne einer "weiblichen Seele in einem männlichen Körper"!) und es wurde - jedenfalls seitens Ärzten und Betroffenen - kein Halt gemacht, bis aus einem (angeblich) "falschen" Körper ein "richtiger" Körper geworden war. Dies sozusagen nach dem Motto, wie es der Berliner Sozialwissenschaftler Rainer Herrn in einem trefflichen Bonmot mal auf den Punkt brachte: "Vom Geschlechtsverwandlungswahn zur Geschlechtsumwandlung". Oder auch: "Wie sage ich es dem (TS-) Volke", nicht zuletzt seitens der sich später massiv einmischenden TS-Selbsthilfe-Gruppen und deren profil- bzw. profitsüchtigen Guru-Figuren. Daß es keine transsexuellen Körper gibt, sondern nur falsche Denkmodelle, ist erst allmählich klar geworden: die ausufernde Geschlechtsumwandlungs-Euphorie scheint damit allmählich vorbei zu sein: die entsprechenden (feministischen initiierten) Impulse kommen (wieder) aus den USA (Transgender-Denken).
Die körperlichen und seelischen (Spät-)Folgen des einhergehenden Kastrationsvorganges jedoch bleiben - die Skala der gravierenden gesundheitlich Beeinträchtigungen ist - individuell gelagert - unendlich lang: die entsprechende Fachliteratur gibt darüber - je nach Zielrichtung - mehr oder weniger erschöpfend Auskunft. Allerdings gab es in den 70er und 80er Jahren zuerst noch - im rechtlich-gesellschaftlichen Sinne - die Etablierung der transsexuellen Gesetzgebungen in den verschiedensten Ländern (u.a. Schweden 1972, DDR 1974, BRD 1981, Italien 1982, Holland 1984, Luxemburg 1989 usw.) sowie die Gründungen zahlreicher, globaler Transsexuellen-Selbsthilfe-Organisationen (u.a. AEGIS - community in den USA bzw. Transidentitas in Deutschland). Letztere haben allerdings eher zu einem Imageverlust der transsexuellen Idee in der Öffentlichkeit geführt, ja man/frau kann sagen, dass dieselben absolut nicht die Lösung des Problems sind, sondern vielmehr das Problem selbst (Fixierung auf die Eindeutigkeit sprich Operation sprich Kastration). Ein gleichfalls interessantes, aufschlussreiches Phänomen in diesem Zusammenhang dürfte das nahezu Gleichziehen der Frau-zu-Mann-Geschlechtsumwandlung mit der zuerst überaus dominierenden Mann-zu-Frau-Geschlechtsumwandlung darstellen. Es sei deshalb gerade deswegen - der Vollständigkeit halber - festgehalten, dass in vielen Publikationen auch von "Geschlechtsangleichungen" die Rede ist: Tatsache ist und bleibt jedoch, daß der (transsexuelle) Mensch im überaus erheblichen Masse manipuliert und geschädigt wird!

Der Sozialwissenschaftler Stefan Hirschauer ("Die soziale Konstruktion der Transsexualität" (1993) sagt zu den zur "Normalität" gewordenen Verstümmelungsauflagen im inzwischen fest etablierten, medizinisch-gesetzlichen Umwandlungs-Ritual:

"In dieser Argumentation wird mit dem Gemeinplatz der "Therapiegesellschaft" das Problem zugedeckt, wie im Fall von Transsexuellen Therapie und Leben verwechselt werden, wie nämlich die medizinische Anerkennung als "Transsexueller" und das Angebot von Behandlungsmöglichkeiten gleichbedeutend mit der sozialen Anerkennung einer anderen Geschlechtszugehörigkeit werden kann. Nicht nur sind die von Sigusch genannten "letztlich" ausschlaggebenden Therapieleistungen ("Empathie, Aufmerksamkeit, Anerkennung") im Prinzip nicht-professionelle Qualitäten sozialen Lebens, vor allem werden die Genitaloperationen nicht allein durch Transsexuelle, sondern auch durch die Sexualwissenschaft mit einer Phantasmagorie ("Mythos Kastration"!) umgeben, die die chirugischen Behandlungen überhaupt erst für die soziale Behandlung als Mann oder Frau stehen lassen kann: der Suggestion, dass jene Eingriffe "Geschlechtsumwandlungen" seien. Nicht die "wirksame Realität imagierter Behandlungen", sondern die symbolischen Wirkungen tatsächlicher chirurgischer Behandlungen sind das beim Geschlechtswechsel des 20. Jahrhunderts relevante Phänomen im Verhältnis von "Therapie" und "Leben". Siguschs (Prof. Volkmar Sigusch, TS-"Papst" Deutschlands) nachlässige Gleichsetzung der Genitaloperationen mit "Geschlechtsumwandlungen" hat zwei Folgen. Die erste ist, dass der Aufsatz auf jeden kritischen Kommentar dazu verzichtet, dass das deutsche Transsexuellengesetz (TSG), im Gegensatz zu anderen (vgl. Will 1982), auf eine gerade blutrünstig explizite Weise eine Genitaloperation zur Anerkennung einer neuen Geschlechtszugehörigkeit vorschreibt usw. Und der BGH formuliert in einen Grundsatzurteil (S. 333) im Jahre 1971:"...keinesfalls dürfte eine Geschlechtsumwandlung angenommen werden, solange die Person noch über einigermassen funktionstüchtige äußere Geschlechtsorgane des Ausgangsgeschlechts verfügt, solange etwa der männliche Transsexuelle in der Lage wäre, mittels ihrer die Strafbestände des §175 StGB zu verwirklichen; auch würde es nicht angehen, ihm, solange er sich auf dem geschlechtlichen Gebiet noch als Mann betätigen kann, die Eheschliessung mit einer anderen Person männlichen Geschlechts zu ermöglichen". Hirschauer bemerkte zu dieser BGH-Passage:"Die Genitaloperation schien dem BGH also zum einen geboten, um der "Gefahr" einer homosexuellen Ehe vorzubeugen, die das "Wesen" der Ehe (als gegengeschlechtlicher Gemeinschaft) verletzen würde, zum anderen assoziierten die Richter mit der Genitaloperation die Gewähr einer Durchsetzung der Strafverfolgung zum §175. Mit dieser Assoziation offenbarte die aufgeklärte bundesdeutsche Rechtsprechung gegenüber den "Tatwerkzeugen" einen Zerstörungswillen, der der Blutrünstigkeit islamischer Rechtsprechung (Talionsprinzip!) in nichts nachsteht.

Dem ist hinsichtlich des "Mythos Kastration" wirklich nichts mehr hinzuzufügen: Aus den "Herren, die halbe Frauen sind" (Galli-Priester und Anhänger des Attis-Kybele-Kults) werden im Paragraphenland Deutschland, nur unter der Verleugnung und Verrenkung elementarster menschlicher Grundrechte (d.h. das Anrecht auf die körperliche und seelische Unversehrtheit), "Herren, die ganze Frauen sind" - jedenfalls auf dem Papier (der Personenstandsänderung...). Und wie entrückt oder auch ver-rückt die Ansprüche einer solchen fanatischen Geschlechtsumwandlungs-Ideologie, speziell in deutschen Gefilden, eigentlich (geworden) sind, machen uns die nachfolgenden Sätze aus einem Stern-Artikel (Stern 7/98) über den Maler Paul Gauguin und sein "Traum"-Paradies Tahiti klar:

"Eigentlich leben sie dort in drei Geschlechtern, es gibt Männer und Frauen, und es gibt Männerfrauen, Männer also, die Frau sein wollen, "Schönheiten mit Eiern" nennen sie das. Urprimitive (!) Transvestiten sozusagen. Dort glaubt man allerdings, daß solche Menschen von Gott geküßt wurden und er ihnen beide Geschlechter mit zum Leben gegeben hat (!). Sie sind hoch angesehen".

Und hier? Das Transsexuellen-Image in den Medien wird immer mehr in Richtung Krankheit, Perversion und Elend verschoben -"koste es, was es wolle", sogar manchmal die eigene Glaubwürdigkeit . Hauptsache : Kasse, (TV-)Quote und Lügengebäude stimmen...!

Wir wollen diese Abhandlung über den Mythos Kastration abschließen mit einem Schmunzeln über einen gängigen Clinton-Witz aufgrund seiner Fallatio-Eskapaden im "Oral Office" des Weissen Hauses. Als die Ex-Filmschauspielerin Doris Day den US-Präsident veranlassen wollte, seinen Hund "Buddy" kastrieren zu lassen, hieß es: Clinton geht zu seinem Tierarzt und sagt: "Ich komme wegen der Kastration". Darauf der (Tier-)Arzt: "Gut, aber der Hund muß draußen warten"...! Typisch amerikanisch - im Sinne der "political correctness" zwischen den Geschlechtern - dürfte auch die Tatsache sein, dass die Navy angefangen hat, die dort besonders vorhandenen Traditionen und Symbole militärischer Potenz zu amputieren. Hierzu gehörte beispielsweise, dass - in einem Akt vorauseilender Beschneidung - das Abzeichen des Elitegeschwaders VFA - 37, ein überaus viriler Bulle, seine Hoden eingebüsst hat: Frauen, d.h. den (neuen) Pilotinnen sei ein derart maskuliner Anblick nicht zuzumuten. Jetzt prangt auf den Heckflossen der silbernen Hochleistungsbomber ein harmloser Ochse...! Und obwohl die Geschlechtertrennung in den amerikanischen Streitkräften bereits 1973 aufgehoben wurde (derzeitiger Anteil weiblicher Soldaten etwa 13%), lernten die Elitesoldaten der "marines" noch bis vor kurzem solche Schlachtrufe wie:"Vergewaltige, töte, verstümmele (!)". Diese Gesänge sind zwar inzwischen verbannt, aber noch immer predigen die Ausbilder solche Aggressionen, offensichtlich auch gegen die eigenen Kolleginnen gerichtet: die sexuelle Belästigung weiblicher Soldaten erschüttert die US-Army zur Zeit in einem ungekannten Ausmass. Auch hier wieder die typische "illusio virilis"- Hybris eines einbetonierten Patriarchats - wie bei der Geschlechtsumwandlungs-Ideologie.

"Ein Kastrat heilt alle Wunden". So haben wir unsere Betrachtungen über eines der interessantesten Faszinosa der Menschheitsgeschichte angefangen. Wir beenden sie mit der Feststellung, daß dem wohl nicht so ist...! Im Gegenteil: Immer neue Wunden werden aufgerissen, je mehr der Mensch in die Natur eingreift - jedenfalls im human-geschlechtlichen Sinne. Denn dass im Tierreich die Kastration schon seit Jahrtausenden - und in neueren Zeiten entsprechend perfektioniert bzw. nutzbringend gesteigert - zur Normalität gehört, sei hier nur nebenher erwähnt: wir wollten uns in dieser Abhandlung ja auf die Spezies Mensch beschränken. Mit der (schleichenden) Manipulation des Menschen über den Kastrationsvorgang (aus den letzterwähnten, ideellen Gründen) und mit der Etablierung der damit einhergehenden (vorgetäuschten) "Normalität" werden die Übergänge zwischen Mensch und Tier jedoch immer fließender - Orwell und Huxley lassen grüßen...!

Es ist an der Zeit, auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der vorbeschriebenen Geschlechtsumwandlungs-Ideologie um die doch allmählich überholte Ausuferung einer nicht mehr zeitgemässen "illusio virilis"- Hybris - dem ist entschieden entgegenzuwirken. Was hiermit geschieht, denn Transsexualität ist wahrhaftig keine Krankheit und braucht als solche weder manipulierte (Be-) noch schädigende (Ab-) Handlungen, von welcher Seite auch gefordert und wie dann auch institutionalisiert. Die Zeit der grenzenlosen "illusio virilis" - Machbarkeitsträume ist vorüber: "Neues Denken" ist gefordert.

 


Berlin, den 15.03.1998

 


Johanna Kamermans
Postfach 19 11 22
D-14001 Berlin-Charlottenburg