|
Und die Bouzouki klang
Eine warme Stimme ruft Erinnerungen in mir wach, Erinnerungen an eine Sommernacht, die viel zu schnell verging. Die Melodie
ist wunderschön, wehmütig und voller Melancholie, klingt nach Griechenland, nach der Ferne. Ja, die Bouzouki klang in mir; ich werde
es nie vergessen.
Und ich denke an Irena, an die einzige Frau, die mich je fasziniert hat, an jene Nacht, in welcher wir uns trafen, in der
ich mich selbst sah, jene Nacht, in der auch eine Frau mir wieder etwas bedeutete. Werde ich sie je wiederfinden?
Irena - schon ihr Name verbindet uns für immer. die Bouzouki hat uns zusammengeführt. schön war sie, wunderschön,
so wie ich immer schon sein wollte. Sie hat mich verzaubert, Gefühle in mir wachgerufen - ich kannte mich nicht mehr...es war alles anders.
Unten in Griechenland, am warmen Meer, in einer hellen Sommernacht traf ich sie. In einer Bar saß sie plötzlich
neben mir, als wäre sie aus dem Nichts gekommen, als wäre sie schon immer bei mir gewesen. Und ich starrte sie nur an; sah eine Frau,
so schön, wie ich es nie zu träumen gewagt hätte. Und all das, was ich schon hinter mir glaubte, kam wieder hervor. Ich kannte
mich selbst nicht mehr, konnte sie nur noch anschauen. Und im Hintergrund erklang die Bouzouki, klang dieses wunderschöne Griechenland, fröhlich
und doch voller Wehmut.
Wir haben uns nur zugelächelt; ich konnte gar nicht anders; und in jenen Augenblicken habe ich mir gewünscht,
wieder Mann zu sein. Ich hätte sie geliebt, wie ich nie zuvor eine Frau hätte lieben können. Aber ich konnte es nicht mehr und
wollte auch nicht. Ich starrte sie nur noch an; mir genügte es, sie zu sehen.
"Ich heiße Irena," sagte sie, "und du?" Ich erschrak und wurde rot. Ihre Stimme war warm und weich.
"Gigi;" sagte ich und wurde noch röter. Diese Frau verwirrte mich völlig, ich kannte mich selbst kaum noch wieder.
Du mühst dich nun ab, eine Frau zu werden, und dann wirft dich so etwas um! Diese Gedanken verwirrten mich noch mehr,
und ich muß wohl ziemlich hilflos ausgesehen haben.
Und dann hörte ich wieder die Stimme: "ich habe die Liebe gesehen...", und aus der Ferne hörte ich Irena
fragen "Was hast du? Ist dir nicht wohl? Sag es mir!"
"Doch, doch," brachte ich mühsam heraus und schwieg dann wieder. Mir war es selbst unangenehm, aber es fiel
mir nichts anderes ein. Ich sah Irena nur noch stumm an und suchte verzweifelt nach Worten.
Denn ich sah meinen Traum vor mir, so wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Irenas Foto hatte ich schon
immer bei mir gehabt, auf die Innenseite meines Koffers geklebt, das Titelbild eines Romans, und ich hatte diese Frau im Stillen immer Irena genannt.
Versuche so zu werden wie diese Frau, sagte ich mir immer wieder, und dann schien es, als ob sie mir zulächelte, mir Mut machen wollte.
Und nun lächelte sie mir wirklich zu. Ich konnte es gar nicht fassen, mir schien, als drehte sich alles. Der Traum
war wahr geworden.
"Ich heiße Irena," sagte sie noch einmal, "möchtest du nicht mit mir reden?"
"Doch, doch," brachte ich wieder hervor, und dann schwieg ich wieder, verwirrter noch, unfähig, etwas zu
sagen. Mir war ganz heiß.
Gigi, sagte ich mir, daß dir so etwas geschehen muß! Du hattest doch genug von den Frauen, wolltest es doch
besser machen - und nun? Entscheide dich!
Und dann nahm ich ihre Hand und drückte sie an mich. "Ich liebe dich," flüsterte ich ihr zu, "ich
liebe dich. Aber ich kann es dir nur sagen; ich möchte nicht mehr, möchte dich nur lieben, so wie man einen Traum lieben kann. Irena,
was machst du mit mir?"
Irena lächelte mir zu. "Wir kennen uns doch kaum; wie kannst du da schon von Liebe sprechen? Wir wissen doch gar
nichts voneinander".
"Doch," sagte ich, "ich kenne dich genau, habe schon so viel von dir geträumt, daß du kein Geheimnis
mehr für mich bist. Du warst schon immer bei mir, ich weiß alles von dir, du gehörst zu mir. Ich liebe dich!"
"Trinken wir, Gigi," sagte sie, "trinken wir auf uns beide. Wir wollen glücklich sein, laß mich
keinen Traum mehr sein".
Und dann tanzten wir, engumschlungen, fern von der Welt, nur wir beide waren da. Alle schauten auf uns, aber es kümmerte
uns nicht. Die Bouzouki klang und wir tanzten weiter, glücklich und träumend, bis uns die Füße schmerzten und die Männer
uns auseinander zogen.
"Nun hört schon auf," sagten sie zu uns, "ihr blamiert uns ja alle. Kommt, wir wollen zusammen trinken
und fröhlich sein, alle miteinander!"
Ich habe Irena nie wieder gesehen. Plötzlich war sie verschwunden. Ich habe sie überall gesucht, aber ich fand
sie nicht mehr. Überall habe ich gefragt, jeden Abend, jede Nacht, überall, wo die Bouzouki klang. Ich war einsam geworden, hatte Irena
wieder verloren und wußte genau, daß ich sie nie wieder finden würde.
Die Erinnerung, ihr Foto würde bleiben, aber eben nur die Erinnerung, an Irena, an mich selbst. Und jedesmal, wenn
ich die Bouzouki höre, beginne ich wieder zu suchen, aber ich weiß, daß sie unerreichbar bleiben wird. Trotzdem werde ich weiter
suchen... vielleicht komme ich ihr einmal ganz nahe...
Copyright by Productions 1973
G.K.
|