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Betr.: Titelgeschichte „Was bleibt von Jesus Christus?“ in Spiegel-Heft 21/1999
Sehr geehrter Dr. Rudolf Augstein,
Gestatten Sie mir nach der Lektüre des „Rückspiegel“-Notizes in Heft 45/1999 zu Ihrer obenvermerkten Titelgeschichte und damit auch zu Ihrem Buch „Jesus Menschensohn“ die nachfolgenden Anmerkungen:
Im betreffenden Artikel schreiben Sie (S. 217/218): „Aber wie ist diese unerhört expansive, die Welt umgestaltende Kraft der christlichen Religion zu erklären? Wohl vor allem aus der enormen Spannung zwischen polar entgegengesetzten Prinzipien, zwischen Uebernatur und Realität usw. oder auch aus der Spannung zwischen Geschlechtsfeindlichkeit und Sexualgier, zwischen Seele und Körper“
Zum erstgenannten Spannungsfeld „Uebernatur und Realität“ bin ich der Meinung, dass Sie sowohl in Ihrem Buch „Jesus Menschensohn“ als auch im obenvermerkten Artikel, zu wenig darauf hinweisen, dass das Christentum, ob nun frühchristlich oder entsprechend evangelistisch überformt, in erster Linie eine „anti“-Religion ist. Und dies nicht nur „anti“ bezüglich der jüdischen Religion, sondern vor allem bezüglich der (realen) Natur auf dieser Erde. Meines Erachtens kann das Christentum wohl letztendlich als eine wahrlich wirklichkeitsverweigernde „anti“-Natur-Religion betrachtet werden: die (irdischen) Natur-Realitäten werden auch heute noch nach 2000 Jahren einfach gnadenlos verneint, ob nun bezüglich der Schöpfungsidee, der (körperlichen) Auferstehung, der „Eva aus Adam“-Mär oder sonstiger „Wahrheiten“.
Dabei haben bezüglich des „Adam und Eva“-Mythos die modernen Wissenschaften wie Genetik und Molekularbiologie heute einwandfrei bewiesen, dass nur das weibliche Prinzip Ausgangspunkt aller (geschlechtlichen) Vorgänge ist was ja die Menschen vòr der christlichen Zeitrechnung bereist wussten bzw. erahnten. Die christliche Religion hat jedoch nur das männliche Prinzip zum alleinseligmachenden Ideal erkoren mit allen seinen skurrilen und verlogenen Folgewirkungen für das Denken und Fühlen vieler Menschen bzw. Staatswesen bezüglich des geschlechtlichen Machbarkeits-Wahns, wie dies in der modernen Transsexalitätsgesetzgebung nochmals ausdrücklich demonstriert worden ist (völlige Gleichstellung von künstlichen und natürlichen Geschlechtern...). Jedenfalls hat das Christentum auf seinem Wege zur Statuierung der Kunstfigur Christus in das Leben der Menschen sowohl diesseits als jenseits keine Mühen gescheut, hierbei die (natürlichen) Vorgänge auf dieser Erde ausdrücklich zu verneinen bzw. vollends auf den Kopf zu stellen.
Hierzu gehört nichtzuletzt die Tatsache, dass die Kirche bei ihrem Versuch die Religionsfigur Christus auf die offensichtlich reale Jesus-Existenz zurückzuführen den Vorgang der jungfraulichen Geburt gleichfalls zu ihren Zwecken entsprechend „umgearbeitet“ hat. Denn die (irdische) Parthenogenese beruht ja auf den natürlichen Fortpflanzungsvorgang durch Teilung aus der weiblichen Urstruktur heraus ohne „männliches“ Zutun und dies mit derunumstösslichen Folgewirkung, dass damit alle Teilungs-Nachkommen weiblichen Geschlechts sind ohne irgendwelche Ausnahme!. Ihr Buch „Jesus Menschensohn“ hätte also eher „Jesus Menschentochter“ heissen sollen insofern kommt Ihr Artikel-Titel „Ein Mensch namens Jesus“ in seiner Unverbindlichkeit der Wahrheit schon viel näher....!
Schliesslich möchte ich noch einen Wunsch äussern, der entstanden ist aufgrund eines Leserbriefes im Spiegelheft 42/1999, in dem es u.a. hiess: „Muss Rudolf Augstein zwanghaft Phantasiegebilde zerstören, die anderen Mitmenschen heilig oder doch wenigstens wertvoll sind?“
Hierbei geht dieser Wunsch auf der obengenannten Ausgangslage im vermutenden Sinne basierend (zwanghaft...!) von der Erwartung aus, Sie möchten sich berufen fühlen nun demnächst ein weiteres, zweifellos christlich initiiertes „Phantasiegebilde“ zu zerstören: Ich meine die von mir so bezeichnete (unselige) Geschliechtsumwandlungs-Ideologie. So wie diese in deutschen Gefilden von den verschiedensten Wunschdenken-„Evangelisten“ (Eicher, Pfäfflin, Gooren, Augstein usw.) inzwischen offensichtlich unverrückbar festgeschrieben worden ist, inklusive der damit zusammenhängenden staatlichen Regelungsmechanismen (TS-Gesetze). Auch wenn Ihnen dies schwerfallen wird bezüglicher der familären Betroffenheit....
Es ist einfach haarsträubend, was alles am Ende diese Jahrhunderts in das zutiefst menschliche Phänomen des (sozialen) Geschlechtswandels hineininterpretiert worden ist, nur um das (offensichtlich lukrative) Dogma der (angeblichen) Auswechselbarkeit der Geschlechter zu propagieren bzw. festzuschreiben und dies alles unter völliger Verneinung der eindeutigen natürlichen Wahrheiten. Die Macht der christlichen „Machbarkeits“-Idee übergeht auch hier die Natur (des Menschen): Körper und Seele werden letztendlich zerstört und ich kann nur schliessen mit der indianischen Botschaft aus dem Kinofilm „Der mit dem Wolf tanzt“: „Die Menschen sind Teil, nicht Herr der Natur“. Darf ich von Ihnen hören?
Mit freundlichen Grüssen,
Johanna Kamermans
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